Katja war ein modernes Mädchen, das sich sehnlichst eine Heirat wünschte. Denn heutige Frauen haben oft andere Prioritäten: Warum ein ganzes Schwein ins Haus holen, wenn eine Wurst genügt?

Frieda Becker war eine etwas altmodische Jungfrau und brannte darauf, endlich zu heiraten. Heutzutage ziehen es die meisten Frauen kaum noch in Erwägung, den Bund zu schließen: Warum eine ganze Sau mit nach Hause nehmen, wenn eine einzige Bratwurst völlig ausreicht? Und Bratwürste gibt es heute im Überfluss von der groben Rostbratwurst bis zur feinen Nürnberger, in allen Größen und Gewürzen.

Ein unverbindetes Zusammenleben gilt inzwischen als völlig normal und macht keinen Makel mehr, wie das früher noch war. Damals hingen Moral, Scham, Stolz und Anstand noch in der Luft Dinge, die man heute kaum noch braucht. Selbst der alte Oblomov gilt kaum noch als Negativbeispiel: Er bekam ja regelmäßig Geld aus seinem Güterbestand! Der klassische Rentier, könnte man sagen.

Gibt man dem jungen Otto Iltz ein Smartphone, wird er sofort zum erfolgreichen Blogger erklärt, der sein Glück selbst gefunden hat. Und was das Heiraten angeht: Nun lebt man, wie es einem gefällt! Man trifft sich in Hostels, in möblierten Zimmern auf Zeit alles ist out, was man sich vorher ausgedacht hat. Es gibt sogar die Gästeheirat: Warum gleich zum Standesamt eilen?

Früher war das Versagen eines Partners nach der Hochzeit das größte Drama: ausgewrungene Socken und ein fehlgeschlagener Eintopf wurden schon als Katastrophe gefeiert. Heute gibt es noch schlimmere Dinge: kindisches Verhalten, Muttensympathien und das chronische Nichtsmachenlassen bei den Burschen. Und dieses Nichtsmachenlassen zeigt sich nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Damen, die sich selbst zu sehr bewundern.

Natürlich gibt es heute Anforderungen von beiden Seiten, nicht nur Brot und ein bisschen Unterhaltung: Jeder kann sein Brot selbst essen. Und der ShoppingBummel? Unverzichtbar.

Frieda war ein erfrischender Ausnahmefall: Attraktiv, aber ganz ohne die heutigen TuningMods keine übergestylten Körperteile, keine PlastikImplantate. Sie war intelligent, hatte ein angesehenes Studium und einen gut bezahlten Job. Und trotzdem schauten ihr die Männer vorbei, als wäre sie ein Stuhl im Wartesaal: Sie bildeten Reihen, schlossen Verbindungen mit anderen, stolperten immer wieder über die gleichen Kieselsteine.

Man sollte nicht denken, dass Frieda überhaupt keinen Mann gefunden hätte sie war hübsch! Es kam jedoch nie zum Standesamt. Und sie würde im kommenden Jahr dreißig werden. In der DDRZeit hieß es noch bis zur ersten Mutter, heute heißt es bis zur sechziger, die junge Mütter. Frieda wollte nicht allein ein Kind bekommen.

Sie glaubte noch an Horoskope genauer gesagt an astrologische Vorhersagen, weil das doch die vernünftigere Form ist! Horoskope waren einst das Erfindungswerk findiger Leute, um leicht Geld zu scheffeln. Typischerweise waren die Prognosen zu schwierigen Zeiten durchweg positiv: Am Dienstagmorgen erwartet Sie ein schicksalhaftes Treffen mit einem Milliardär!

Also packte sie zur Sicherheit die Zahnbürste ein man weiß ja nie, ob dieser Milliardär ernsthafte Absichten hat. Frieda suchte nach einem Partner, der zu ihrem Sternzeichen passte: Sie war Schütze, ein Feuerzeichen. Zu ihr gehörten auch Widder und Löwe, wobei der Schütze als der ruhigste gilt.

Ihre erste große Liebe kam im ersten Semester an der Technischen Hochschule ein Alter, das heute fast als Vorschulzeit gilt. Was die Jugendlichen damals noch verstanden, war: wohin und mit wem. Der Sexualkundeunterricht ist heute ein ganz anderer Kanon, also, geht in den Wald mit euren Blüten und Staubbeuteln wir wissen das schon lange!

Dann kam der kreative Engpass. Sie musste Miete, Öffis und Essen bezahlen. Und plötzlich musste sie die Lebensmittel selbst kaufen, anstatt sie aus einem Gemeinschaftskühlschrank zu klauen, wie man früher dachte! Vorher kam das Geld von den Eltern, doch seit sie allein wohnte, reichten die Mittel für zwei Personen nicht mehr.

Ihr Freund Viktor, der mit ihr in ihrer Altbauwohnung lebte ein Geschenk ihrer Großmutter zum 16.Geburtstag staunte:

Kaufst du nicht die Lebensmittel?

Warum ich?, protestierte Frieda.

Der Kühlschrank ist doch deiner, ich bin hier kein Eigentümer!, erklärte Viktor logisch.

Wenn es nur darum geht,, überlegte Frieda schlagfertig, kann ich dir gern die Hausführung überlassen.

Kurz darauf verschwand Viktor spurlos und grüßte nicht mehr, obwohl sie im selben Studiengang waren. Was für ein Schicksalsschlag ein echter Schütze, das musste ja passen.

Frieda blieb nicht unberührt: Sie liebte Viktor, schließlich war er ihr erster Mann. Doch die Zeit ging, und ein zweiter, beständiger Freund tauchte im dritten Semester auf nicht mehr von der Hochschule, sondern aus dem SchwimmbadClub. Sebastian war deutlich älter, über dreißig, und hatte ernsthafte Heiratspläne: Wir heiraten, mein Schatz! Er war geschieden, aber Liebe kennt doch keine Hindernisse, oder?

Doch Sebastian hatte keinen festen Job. Das war in der Zeit, bevor die neue Pandemie und die Sonderoperationen das Land erfasst hatten damals war das Leben noch weniger kompliziert. Trotzdem kämpfte er mit ständigen Kündigungen, unzumutbaren Chefs und absurdem Arbeitspensum. Und er aß zu Hause, während er nach Arbeit suchte das machte Frieda traurig.

Vielleicht könntest du als Kurier arbeiten?, schlug Frieda vorsichtig vor.

Ich bin Analyst!, prahlte er.

Kann ein Analyst nicht auch Kurier sein? Fahr doch einfach und analysiere, was du willst ich habe gestern das letzte Geld für Essen ausgegeben.

Frag doch die Mutter!, meinte Viktor, ganz im Stil seiner Großmutter.

Ich rede seit zwei Monaten von temporären Schwierigkeiten!, protestierte Frieda.

Zeit ist ein ungewöhnlich langes Ding!, zitierte er Mayakovsky und lächelte stolz.

Frieda erwiderte: Dann bitte nicht mehr nach Essen fragen! Die Zeiten sind vorbei nimm deine Beine und lauf!

Sebastian schnappte zurück: Wem hast du das Bein weggeschickt?

Dem Mayakovsky!, rief Frieda. Ihr könnt zusammen wegziehen, er kann dich jetzt füttern.

Sebastian, ein Steinbock, gilt als besonders fleißig und zuverlässig ein Grund, den Horoskopen noch mehr zu vertrauen.

Der dritte Freund, Lennart, glaubte ebenfalls an Sternzeichen; sie trafen sich auf einem astrologischen Forum und entwickelten echte Gefühle. Doch er nannte ihr Sternzeichen immer SternZodiak, was Frieda irritierte.

Warum?, fragte sie. Warum veränderst du das Wort absichtlich?

Ach, lass mich!, antwortete er lachend. Ist doch witzig!

Du hast mich hier nicht zum Bleiben nötig bei mir läuft alles ohne dich!, dachte Frieda an die Worte ihrer weisen Oma. Der Freund ersetzte ständig Namen: SchnupfenDusel, Sturzbäckchen, Diana Regan. Er glaubte, das sei genialer Wortwitz in vierundvierzig Jahren war das schon peinlich.

Trotz allem hatten sie beide gute Jobs und waren frei; der geschiedene Mann hatte einen erwachsenen Sohn. Anfangs war der Freund etwas schüchtern, dann aber völlig entspannt.

Der Skandal entstand, als bei einem Familientreffen Friedas Großvater, ein ehemaliger StasiMann, Sebastian als Dzherschinski bezeichnete und laut loslachte.

Jesus Maria!, schrie der Großvater mit polnischen Wurzeln, Hau ab, du Fisch!

Das war während einer Familienfeier, bei der das Paar bereits als Bräutigam und Braut galt. Der Weg zum Standesamt ging ebenfalls nicht. Lennart, ein Stier, teilte die ErdEnergie des Steinbocks Stiere sind berüchtigt für ihre Empfindlichkeit.

Dann lernte Frieda Peter kennen: ein geschiedener, kinderloser, attraktiver, nicht verarmter, gebildeter Mann mit gutem Humor und einer hübschen Einzimmerwohnung. Er war sparsam, fast ein kleiner Geizkragen, geboren unter dem Sternzeichen Jungfrau ebenfalls ein Erdzeichen, das für Sparsamkeit steht.

Sie waren also ein perfektes Paar für ein ruhiges Zusammenleben. Sie stellten den Antrag, Peter zog zu Frieda und vermietete seine alte Wohnung. Dann bat er sie, ihn anzumelden oder besser: zu registrieren, wie man heute sagt.

Wozu?, wundertes Frieda. Du bist doch bereits in deiner Wohnung gemeldet! Ohne Meldung geht heute gar nichts.

Wie bitte?, erwiderte Peter verwirrt. Wir lieben uns doch und wollen jetzt eine Familie! Alles soll gemeinsam sein!

Frieda erinnerte sich an einen Witz: Schreib mir deine Wohnung um, bitte! Oh, Entschuldigung, falscher Einstieg: Glaubst du an Gott?

Doch dann ging es nur noch um die Liebe:

Gut!, stimmte die Braut nach kurzem Zögern zu. Du hast gut über Liebe, Familie und Gemeinsamkeit gesprochen. Also melde ich dich, und du meldest mich.

Wohin?, fragte Peter erstaunt.

In meine Wohnung wir haben jetzt alles zusammen!

Aber du wohnst doch nicht dort!, brachte Peter nach einer kurzen Pause ein.

Dann lass uns doch im Wechsel wohnen: Einen Monat bei mir, den nächsten bei dir!, schlug Frieda einfallsreich, aber bereits etwas enttäuscht vor. Sie sah, dass ihr wieder ein leeres DoppelNichts drohte.

Peter schwieg, nichts Kluges fiel ihm ein.

Na, was sagst du?, hakte Frieda, die den ernsten Blick des Bräutigams musterte. Das ist doch sehr vernünftig!

Sie überlegte: Was wäre, wenn er sich einfach in seine eigene Wohnung eintragen würde? Dann läge die Sache schon mal im Kasten.

Peter ließ die Einzimmerwohnung weiterlaufen, obwohl seine erste Frau sie verließ. Er war ein wenig gierig und materialistisch. Beide wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Das alte Vortäuschen, dass nichts passiert ist funktionierte nicht mehr.

Frieda verließ die Küche, ging ins Wohnzimmer, während sie zu Abend aßen, und ließ den Freund sich selbst aus dem Knoten winden. Peter saß etwa fünfzehn Minuten, dann kam er zur Braut und fragte lässig:

Katja, wollen wir ins Kino?

Gern!, stimmte Frieda zu. Der Bräutigam atmete erleichtert aus er hatte bereits eine Anzahlung für das Restaurant geleistet.

Sie fügte hinzu: Und dann meldest du mich, Peterchen? Ich habe das Gefühl, wir haben das noch nicht geklärt.

Peter schaute weg, stampfte und ging. Frieda hielt ihn nicht zurück zumindest hatten sie das Geld für die Hochzeit nicht ausgegeben; der Freund wollte das Gespräch noch vor der standesamtlichen Registrierung führen.

Ist das bei allen so? Schließlich heiraten ja manche! Zwei von Friedas drei besten Freundinnen hatten geheiratet die eine für ein halbes Jahr, die andere für ein Jahr. Die dritte, wie in einem Witz, schlüpfte leise aus der Ehe.

Auch Frieda kam ans Ziel: Sie hatte mit einigen Lebenspartnern mehr als einen Monat zusammengelebt und liebte sie. Doch Liebe ist nicht nur Gefühl, sondern Tat und Handlung. Bei allen Partnern fehlte die wahre Liebe zu ihr.

Wie heißt es in einem unfreundlichen Land: Kein Dummkopf? Und obwohl die Männer nicht immer Widder waren, waren sie doch alle ein bisschen wie ein Widder störrisch.

Ja, es war ärgerlich, aber nicht lebensbedrohlich, Frieda! Und obwohl sie über dreißig war, wollte sie nicht mehr heiraten. Warum? Weil ihr beruflich die Beförderung gelungen war, sie die Großmutters kleine Wohnung gegen ein geräumiges Zweizimmer getauscht hatte, ein neues Auto gekauft und einen Kurzurlaub gemacht hatte. Sie kam zu dem Schluss: Das Leben hat geklappt!

Außerdem wurde das kinderreiche Alter heute auf bis zu sechzig Jahre ausgedehnt sie könnte also noch für sich ein Kind bekommen. Und um die Bratwürste gibt es immer noch genug, überall am Markt.

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Katja war ein modernes Mädchen, das sich sehnlichst eine Heirat wünschte. Denn heutige Frauen haben oft andere Prioritäten: Warum ein ganzes Schwein ins Haus holen, wenn eine Wurst genügt?
‘That’s Not My Child,’ Declared the Millionaire, as He Commanded His Wife to Take the Baby and Go – If Only He Had Known the Truth.