Möchtest du die nervige Schwiegermutter ersticken?
Welcher Garten? Worüber flüsterst du? Lina zog die Augen dramatisch hoch. Du hast doch selbst gesagt, meine Hände wachsen dort, wo auch die Beine herkommen!
Und besser wäre es, wenn ich weder das eine noch das andere hätte! Danach müsst ihr den Garten mit Asphalt überziehen!
Ach, halt die Klappe, knurrte Helga Schmitt. Du musst dich nicht festbeißen! Mit einer Schaufel schaffst du das schon!
Ihr schmeichelt mir ja zu sehr! drehte Lina den Kopf. Ihr seid ja ganz rot vor Stolz!
Sag mir jetzt noch einmal, willst du mir im Garten helfen? rief Helga, die Stimme erhob sich.
Wie beim letzten Mal? rief Lina. Und dann? Wird alles still?
Deine Zunge hat keinen Knochen! Schwing die Schaufel, als wärst du ein wildes Tier! schimpfte die Schwiegermutter. Komm, wir zeigen dir, was zu tun ist!
Wie soll ich das schaffen? stieß Lina zurück. Du hast doch beim letzten Mal gesagt, meine Augen dürfen dich nicht sehen!
Und hier im Haus, aus Liebe zu meinem Sohn, erträgst du mich bei aller Kraft, doch auf deinem heiligen Gartenland will ich dir nicht die Augen verderben! Ich muss doch irgendwie für meine geliebte Schwiegermutter sorgen!
Du bist ja ein Kaktus! kreischte Helga. Ich versuche, irgendwie zu überleben! Ich zeige dir, was zu tun ist, und ich halte dich nicht zurück! Meine Augen bleiben klar!
Ist das alles? Deine Tricks sind nichts wert! Du bittest um Hilfe, und es wird ein Chaos! sagte Lina mit einem süffisanten Lächeln. Also wollt ihr Hilfe, aber ihr wollt das ganze Feld allein bestellen! Ich sehe euch nicht in eurem Bild!
Stehen wir Nase an Nase in einem Beet, dann würde ich noch nachdenken, aber ein ganzes Feld ohne Aufsicht zu wühlen, das kann ich nicht! Und wenn ich etwas falsch mache, macht ihr mich zur Beute! Warum sollte ich das tun, wenn zwischen uns keine große Liebe besteht?
Ich setze mich lieber an den Ofen, während Max in der Sauna schwitzt.
Was hammerst du da mit deiner Zunge, das lässt sich nicht stoppen? schimpfte Helga. Du hättest das längst erledigt, du junge, gesunde, starke Frau!
Danke für das Kompliment! grinste Lina breit. Jetzt ist meine Schwiegermutter voller Kraft und Energie! Sie schaufelt Berge, vollbringt Heldentaten! Vor einem Monat hat sie noch geschrien, als wäre ihr linkes Ohr verstopft! Welche Stimme das war! Neid ergreift uns, ja, ganz weiß! Keine Sorge, ich tue es von Herzen!
Lina, ich werde Max sagen, dass du dich geweigert hast, in den Garten zu gehen! Dass du mir nicht helfen wolltest! drohte Helga. Denkst du, er wird das verzeihen?
Wo habe ich mich geweigert? schrie Lina. Ich bin voll Einsatz, gib mir nur die Chance! Ich bin eine wahre Helferin! Ich will meiner Schwiegermutter ebenbürtig sein!
Wie sehr die Schwiegermutter helfen will, so sehr zahle ich zurück! Und noch obendrauf, weil ich meiner lieben Schwiegermutter gar nichts entbehre! Und euch? Was bleibt euch?
Was soll das bedeuten? fragte Helga verwirrt.
Letztes Jahr haben Max und ich den ganzen Sommer auf deiner Farm den Rücken gebeugt, und du hast uns nur mit Beschimpfungen belohnt! Natürlich seid ihr dankbar, dass wir abgenommen haben, die Muskeln trainiert wurden, aber ein bisschen Essen wäre schön! Und wenn ich mich recht erinnere, habt ihr es nicht bedauert, dass wir unsere Rücken und Hände strapaziert haben, damit wir keine Gläser im Bus transportieren mussten! Dieses Mal fahren wir mit dem Auto, der Kofferraum ist frei! Also liefert die Ernte, wenn wir wieder das Feld bestellen! Wenn es wie letztes Jahr läuft, dann lasst es bleiben! Das Verlangen ist verschwunden!
Du bist nachtragend! schnappte Helga.
Ich dachte nie daran! Nicht einmal ein Tropfen! Ich habe ohne euren Garten genug zu tun! Mein lieber Mann fehlt, unser kleiner Sohn sehnt sich nach Mama! Und soll ich wieder in eurem Garten hacken? sah Lina Helga fest in die Augen. Antwortet mir, sonst weiß ich nicht, was ich sagen soll!
Du bist doch die Mutter! Du musst das verstehen! sagte Helga streng. Katja muss helfen! Ich habe ihr die Ernte zubereitet und die Gläser eingemacht! Sie zieht allein zwei Töchter groß! Und du?
Warum solltet ihr Katja mit ihren beiden Töchtern nicht auf euren Garten setzen? Sie kommen nur wegen der Ernte! Wenn sie kommen, sollen sie auch arbeiten! Ich werde euch nicht im Weg stehen! Ich will nicht einmal über eure Füße stolpern! Alles zu eurem Vergnügen!
Ach, Max hat gewählt! Ach, er hat gewählt! schüttelte Helga den Kopf. Ein Fluch oder noch schlimmer!
Ihr verwöhnt mich wieder mit netten Worten! lächelte Lina. Warum nennt ihr mich nicht eine Schlange? Das ist mir vertrauter und ruhiger!
Oder habt ihr mich aus Liebe ergriffen? Dann will ich beichten! Vielleicht schickt ihr mich schon zum Abschied!
Spuck drauf! kreischte Helga.
Was soll das? spielte Lina überrascht. Warst du nicht die, die Vani vorschrieb, ein Witwer zu werden, damit er mich loswird?
***
Lina heiratete Max, nicht die ganze Verwandtschaft. Sie liebte ihn, respektierte ihn und wollte mit ihm alt werden, um im Abendlicht die Enkelkinder zu betreuen. Die vielen Verwandten existierten nur in ihren Träumen.
In der Wirklichkeit jedoch war die Familie da nicht allzu groß. Die Mutter, die zur Schwiegermutter wurde, die ältere Schwester, die ihrer Schwägerin nachging, die Tante, deren Name man kaum aussprechen konnte, und die Cousins, die nie ein Wort sagten.
Diese glückliche Schar jubelte Lina wie einem himmlischen Regen.
Linas Eltern waren wohlhabend. Sie lebten nicht im Gold, aber zur Hochzeit schennten sie ihr eine Wohnung!
Sie betrieben eine kleine Schweinezucht, die ein stetiges Einkommen brachte. Doch sie arbeiteten so hart, dass das Geld nie ausreichte, wenn man so viel schuftete.
Mit fremden Händen kann man Berge versetzen, doch Geld, das man nicht mit Schweiß verdient hat, bleibt immer leicht.
Genau diese Hände griffen nach den Euro!
Wäre Max’ Hand ausgestreckt, wäre Lina sofort seine Ex-Frau und all das Folgende. Doch Max liebte Lina, nicht das Geld ihrer Eltern. Über Geld er erfuhr erst bei der Hochzeit. Die Hochzeitskosten verdienten sie zu zweit.
Als Max dann vom Geld hörte, änderte sich nichts. Er bat nur:
Lina, wenn wir dringend Geld brauchen, versuchen wir zuerst selbst etwas zu verdienen! Wenn das nicht klappt, dann fragen wir um Hilfe!
Richtig gesagt! Wer glaubt denn an Worte? Max bewies es! Drei Jahre nach der Hochzeit kamen sie zu Linas Eltern, weil ihr Sohn alles brauchte das Kinderbett, den Kinderwagen, die Badewanne
Max bestand darauf, einen Schuldschein zu machen! Der Notar ließ die Eltern abblitzen, und Max zahlte die Schuld ehrlich zurück!
Wie ist so ein Max in einer materialistischen Familie aufgewachsen? Vielleicht von einem Nachbarn? Helga Schmitt hatte ihn außerhalb einer Ehe geboren, obwohl sie schwor, sein Vater sei derselbe wie bei der älteren Katja.
Das bleibt Helgas Schuld. Hauptsache, sie konnte Max nicht verderben.
Durch einen Fluch kam das Geld plötzlich zum Vorschein, und gierige Hände griffen nach Linas Kätzchen. Das ging Max nicht mehr an. Er sagte sofort:
Bis zur Hochzeit helfe ich noch! Danach ist meine Familie meine, mein Budget mein! Wenn die Frau gibt, schenke ich einen Groschen. Wenn nicht, bleibe ich ehrlich!
Lina spürte das Schleichen. Wie ihr Mann schickte sie die Verwandten nicht auf Felder, Wiesen, Berge oder Sümpfe, sondern brachte sie zur Schweinefarm ihrer Eltern.
Leute! Hier gibt es Arbeit ohne Ende! Und ihr bekommt gut dafür! Ihr könnt das mit eurem Hauptjob verbinden! Die Schweine fressen, und das mühsame Ergebnis der Verdauung muss trotzdem weg! Dieser Strom hat kein Ende!
Die Cousins und die Tante hielten Abstand, obwohl sie nicht gut von Max Frau dachten.
Lina sagte:
Entschuldigung! Ich nehme das Geld selbst!
Als der Schwägerin ein Hinweis gegeben wurde, wohin sie gebracht würde, brach Katja den Kontakt zu Lina und Max in einem Augenblick ab.
Katja hatte genug Abenteuer: Sie musste zwei Engel finden! Nicht um Schweine zu hüten klar.
Helga Schmitt, die liebenswerte Schwiegermutter, hörte von den Abenteuern ihrer Schwester und Neffen und beschloss, klüger und gerissener zu handeln.
Sie ist noch jung! Deshalb dreist! Sie hat gerade geheiratet! Das Leben hat sie noch nicht gebrochen! Jetzt wird sie den Alltag verschlingen, Probleme fressen, und ihr Lohn wird keine Spuren hinterlassen! Dann können wir den Saft aus ihr pressen!
Helga wartete geduldig, bis die Jungen sich beruhigten, Kinder geboren wurden und alle Kreise der endlosen Sorgen abgeschlossen waren. Die ganze Zeit bewahrte sie einen freundlichen Neutralitätszustand.
Als ihr Enkel Andreas fünf Jahre alt wurde, beschloss Helga zu handeln.
Sie wusste bereits, dass Lina keinen Zugriff auf das ElternGeld hatte, und dass es nicht von den Söhnen kommen würde das war längst klar.
Wo man kein Geld nehmen kann, kann man Natur schenken!
Helga lebte in einem kleinen Dorf, das bald von der Stadt Berlin verschluckt werden würde. Aber das war nicht das Wesentliche. Ihr Garten war groß und prächtig! Auf diesem Beet wollte sie die Kräfte der Schwiegertochter beanspruchen.
Lina wuchs in einem ähnlichen Dorf auf, wo ihre Eltern eine kleine Schweinefarm betrieben. Deshalb fürchtete sie die Erde nicht. Obwohl sie als Wirtschaftswissenschaftlerin in der Stadt arbeitete, konnte sie genauso gut mit der Schaufel stehen und mit dem Heugabel spielen.
Auf Helgas Bitte hin meldeten sich Lina und Max gern.
Sie nahmen zwei Wochen Urlaub, um alles zu pflanzen, und danach weitere zwei Wochen, um aufzuräumen. Am Wochenende fuhren sie hin, um zu säen und zu jäten.
Unklar, wer mehr vom Ertrag profitierte, als Helga die Ernte einlagerte.
Ihr seid zu zweit! Ihr seid eine Familie! Ihr arbeitet beide! Warum braucht ihr das? Aber Katja, sie zieht allein ihre Kinder! Ihr müsst ihr helfen!
Ein offener Konflikt war die einfachste Lösung. Ohne lautes Geschrei und heftige Anschuldigungen schwebten die Worte wie schwere Nebel über den Zäunen, ein Fest der deutschen Sprachkunst.
Dann entschied Lina, die Dinge nicht zu verschärfen.
Max, du verstehst das
Nein! schrie Max.
Ich sage nicht, dass ich ihr verzeihe, unterbrach Lina den SchwiegermutterAusbruch, ich verstehe sie. Das ist ein seltsames Verhalten. Deine Mutter lässt sich nicht ändern. Aber Feinde im Haus zu haben, ist noch schlimmer! Und damit das nicht wieder passiert, sollte man einfach nicht zulassen, dass man überfahren wird!
Lina, sie wird dich weiter ärgern! Ich bin der Sohn! Der Geliebte! Und du bist die Schwiegertochter! Das Gesetz verlangt, dass wir Schwiegertochter schützen!, seufzte Max schwer. Ich soll dich davor schützen!
Ach, ich bin auch nicht naiv!, lachte Lina. Glaub mir, ich finde eine Antwort!
Lina antwortete Helga so, dass ihr die Augen fast aus den Schläfen sprangen. Und das Schlimmste war, dass sie nicht beleidigte, sondern das Gefühl hatte, über allen Misthaufen zu schweben.
Helga hingegen hatte einen anderen Ton. Sie sagte Lina alles unverblümt, ohne Scheu. So drehte Lina das Ganze um, um die Schwiegermutter zu überlisten.
Weder beim Aufräumen noch beim Kochen, beim Einmachen, beim Haushalt oder im Garten wollte Lina helfen.
Helga dachte, Lina käme nie wieder zu ihr. Doch Lina fuhr mit ihrem Mann, wie es sich gehört. Und Helga dachte, Lina wäre besiegt, weil sie kam. Nein! Ein neuer Gegenstoß! Eine neue Ausrede! Ein erneuter Aufruhr! Doch nichts, was wirklich beleidigend war.
Du abscheuliche Schwiegertochter!, fluchte sie im Stillen.
***
Halt die Klappe, das darfst du nicht sagen! flammte Helga auf. Will ich meinem eigenen Sohn nichts Schlechtes wünschen? Ich gebe alles, um meinem Sohn zu gefallen!
Jetzt hast du die Zunge verloren!, strahlte Lina. Und ich setze all meine Kraft ein, um Max zu gefallen! Was, wenn ich im Garten erschöpft bin? Was, wenn ich meine Kräfte verliere?
Wie soll ich dann für Max sorgen? Wie soll ich ihn lieben? Wie soll ich ihn füttern, tränken, ins Bett legen?
Wie kann ich meinen geliebten Max ohne Aufmerksamkeit lassen? Er wird unzufrieden sein! Und seine Unzufriedenheit wird er seiner Mutter in die Hände legen, die sagen wird, dass seine Frau ihn nicht liebt, nicht füttert, nicht trinkt und nicht pflegt!
Und wollt ihr schweigen? Nein, natürlich nicht! Ihr werdet schimpfen! Und warum sollte ich die Beziehung zu meiner Schwiegermutter noch mehr belasten! Sie kümmert sich doch schon! Also, kein Garten! Ich spare meine Kräfte für Max!
Lina, sagte Helga überrascht.
Und überrede mich nicht!, antwortete Lina entschlossen. Ich bin für meinen Mann da! Ohne mich geht er verloren! Ich kann mich nicht für eure Gärten und Aufräumarbeiten missbrauchen lassen, nur für mich und für Max!
Helga war nicht dumm. Sie begriff, dass ihre Schwiegertochter sie in allen Punkten überlistet hatte. Und das war fair. Gegen ihren Sohn zu kämpfen
Als Helga fertig war, die Flüche gegen die spöttische Schwiegertochter ausgebrochen waren, ließ sie die Sauerei hinter sich und überlegte nüchtern bei einem Glas Schnaps:
Max ist zwar ein kluger Bursche, aber mit so einer Rückendeckung bin ich beruhigt!
Doch das Eingeständnis hielt sie nicht davon ab, die Schwiegertochter noch einmal zu prüfen. Vielleicht würde sie doch nachgeben.







