Was könnte wertvoller sein als Geld?

Hey, ich muss dir kurz erzählen, was bei mir und meiner Familie alles passiert ist fast wie ein kleiner Krimi, aber ganz real.

Liselotte und Andreas sind seit fast zehn Jahren verheiratet und haben zwei kleine Wirbelwinde, die wir liebevoll Wetterkinder nennen. Liselotte arbeitet in einem Kindergarten, Andreas ist in einer Maschinenfabrik in Leipzig. Geld fehlt bei uns leider immer fast das gesamte Gehalt geht für Kredite drauf, und zum Leben bleibt kaum was übrig.

Lisel, was hältst du von deinem 30. Geburtstag? Sollen wir feiern?, fragte Andreas, weil er möchte, dass ihr diesen runden Geburtstag nicht vergisst. Klar, wir hatten kein Geld für eine große Party.

Was sollen wir den Gästen denn anbieten? Knäckebrot und Leitungswasser?, fragte ich.

Ach, komm schon, das muss nicht gleich ein Schlossbankett sein. Wir holen einen Kuchen, ein paar Pralinen, setzen uns zusammen und trinken Kaffee und Kuchen. Wir laden Mama, Papa und ein paar enge Verwandte ein. Dein Bruder kommt ja auch bald aus Berlin vorbei.

Stimmt, Anton hat gesagt, er fliegt Ende des Monats zu uns. Aber ich habe irgendwie keine Lust, ihn einzuladen.

Warum denn? Er ist doch ein erfolgreicher Geschäftsmann, vielleicht schenkt er uns ja etwas. Und wenn nicht, haben wir wenigstens die ganze Familie um uns.

Ich war mir nicht sicher. Der ständige Stress mit den Kindern und das ständige Pleite sein tunken mich richtig aus.

Ich beschloss schließlich, die Verwandten zum Kaffeetrinken einzuladen. Ich rief alle an und sagte, sie sollen Ende des Monats vorbeikommen. Auch meinen Bruder Anton habe ich kontaktiert. Er lebt seit vielen Jahren in Berlin, hat dort ein großes Bauunternehmen und ist ledig. Seine Arbeit frisst seine ganze Zeit, da bleibt kaum Platz für Familie.

Als er in Berlin Fuß gefasst hatte, ging es für ihn richtig bergauf viel Geld, großer Erfolg und ein ziemlich aufgeblasenes Ego. Er machte sich häufig über die Verwandten lustig und nannte sie arme Nieten. Das brachte mich zum Verzweifeln, und ich hielt den Kontakt zu ihm immer weiter zurück.

Kommt ihr zu meinem Geburtstag?, fragte ich meine Mutter, weil ich nicht wollte, dass sie den Bruder einlädt.

Natürlich komme ich!, rief Anton, als er vom Fest hörte. In welchem Restaurant feiert ihr?

Im Restaurant? Nein, wir bleiben zu Hause, machen Kaffee und Kuchen.

Ach, alles klar, lachte er, ich hab ja eure finanzielle Lage völlig vergessen. Ich überlege mir was.

Am Geburtstag kamen fast alle, die ich angerufen hatte. Anton kam zwar aus Berlin zurück, aber er ließ die Einladung an mich vorbeischauen.

Dein Bruder wollte doch ein Restaurant, aber er kam nicht. Stattdessen hat er dir ein Geschenk gebracht!, sagte meine Mutter Karin und reichte mir eine kleine Schachtel.

Was ist das?, fragte ich überrascht.

Keine Ahnung, er hat nichts gesagt.

Ich öffnete die Schachtel und fand eine alte, etwas verrostete StanduhrFigur.

Und was soll ich mit diesem Kram anfangen?, fragte ich enttäuscht.

Ich weiß es nicht, meinte meine Mutter, die eigentlich ein nützliches Geschenk erwartet hatte, aber jetzt ebenfalls enttäuscht war. Ruf ihn doch einfach an und danke ihm.

Nach diesem peinlichen Geschenk wollte ich nicht mehr mit Anton reden. Doch kurz vor Mitternacht klingelte sein Handy.

Ich kam nicht zu euch, weil ich wichtigere Dinge zu tun hatte als einen Kaffeeklatsch, sagte er.

Dann hättest du das Geschenk gleich behalten können, entgegnete ich.

Ein Kram?, lachte Anton spöttisch. Du erkennst offensichtlich nicht, was Wert hat. Das ist ein antikes Stück, das meine Freunde mir geschenkt haben. Passt nicht zu meiner modernen Wohnung, also wollte ich es loswerden.

Was soll ich damit machen?, fragte ich, obwohl ich jetzt wusste, dass es eigentlich wertvoll war.

Stells einfach auf den Schrank, lass es dich an den Reichtum erinnern, den ihr nie verdienen werdet, meinte er und wollte auflegen, rief dann aber: Verkauf es mir bloß nicht! Schick mir jeden Monat ein Foto und einen Bericht, ich will nicht, dass ihr an meinem Geschenk vorbeikommt.

Seine Worte haben mich total umgehauen. Ich wusste, dass Anton überheblich war, aber das war doch noch etwas zu viel. Natürlich habe ich nie Fotos geschickt meine Mutter tat das heimlich, weil sie nicht wollte, dass wir offen stritten. Sie kam immer wieder vorbei und fotografierte die Figur.

Einige Monate nach dem Geburtstag stand die Familie plötzlich ganz am Ende. Andreas wurde gekündigt, und wir konnten die Kredite nicht mehr bedienen.

Mach dir keine Sorgen, ich finde gleich einen neuen Job, versuchte Andreas mich zu beruhigen, aber es klang nicht überzeugend.

Wir haben bald nichts mehr zu essen, sagte ich und zeigte auf die Figur. Vielleicht sollten wir sie doch verkaufen. Sie ist doch doch wertvoll.

Aber Anton hat doch verboten, sie zu verkaufen

Und was? Leben wir jetzt auf der Straße? Wenn wir das Geld nicht schnell bekommen, haben wir keinen Platz mehr für die Figur.

Andreas ließ mich nicht weiter einreden. Wir entschieden uns, die antike Figur an einen Fachhändler zu verkaufen. Das Geld half uns, die Schulden zu tilgen, und Andreas fand bald wieder Arbeit. Wir atmeten auf.

Doch nach einem Monat hörte meine Mutter auf, die Bilder an Anton zu schicken. Sie wollte ihm nicht sagen, dass wir die Figur verkauft hatten. Stattdessen erfand sie Ausreden, warum sie keine Fotos mehr senden konnte. Anton, nicht dumm, spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Er flog kurzerhand nach uns, um zu prüfen, ob das Schmuckstück noch da war. Er wollte es wohl zurückholen.

Wie gehts meinem Geschenk? Steht es noch auf dem Schrank und macht euch Freude? fragte er plötzlich unangekündigt.

Äh, war ich sprachlos, weil ich die Wahrheit sagen musste. Dein Geschenk hat jetzt andere Kunstliebhaber.

Wie bitte?, war er verwirrt. Was meinst du damit?

Ich habe deine Figur verkauft, hauchte ich, wir hatten riesige Schulden, und das war unser einziger Ausweg.

Verkauft?!, fletchte er die Zähne. Ich hab dir doch ausdrücklich gesagt, dass du sie nicht verkaufen darfst! Wer gibt dir das Recht?

Eigentlich hast du es mir ja über meine Mutter gegeben.

Nein!, schrie er. Ich sagte, die Statue muss im Haus bleiben!

Hör doch endlich auf!, platzte ich. Was soll das teure Stück? Es musste monatelang ungenutzt im Regal stehen. Wenn wir es nicht verkauft hätten, wären wir jetzt wohl obdachlos.

Das geht mich nichts an!, brüllte er. Kümmert euch selbst um eure Finanzen!

Dann haben wir es ja geklärt!, sagte ich.

Auf meine Kosten?!, fuhr er fort. Du hast mir das Geschenk gegeben, um mich zu demütigen, aber das war nichts! Ich entscheide jetzt, was mit meinem Eigentum passiert. Wenn du mich noch einmal wegen des Verkaufs anmachst, schmeiß ich dich raus!

Rauswerfen?, schrie er wütend. Dann werfe ich mich doch lieber aus eurem Zimmer! Ich wusste, dass du nie dein Wort halten kannst.

Das war das Letzte, was Anton zu mir sagte. Der reiche Geschäftsmann war fassungslos und beleidigt. Er hatte gehofft, uns zu ärgern, doch am Ende hatte ich ihn aus dem Haus getrieben.

Als er dann wütend aus meiner Wohnung stormte, fühlte ich plötzlich eine riesige Erleichterung. Keine Angst mehr vor seiner Geldgier, keine Sorge mehr um die teure Figur. Der Verkauf des Antiquitätenstücks hat uns aus der finanziellen Misere gerettet, und das war viel wichtiger als jeder Familienstreit.

Unsere Mutter Karin war traurig, weil die Geschwister verfeindet waren. Sie liebte beide Kinder und wollte nicht, dass sie sich streiten. Für Liselotte und Anton war das aber egal jeder hatte sein eigenes Leben.

So, das war die Geschichte. Ich dachte, du würdest es ja interessant finden, wie verrückt das Ganze abgelaufen ist. Bis bald!

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