„Mein Sohn lebt hier, also werde ich es auch tun“, sagte die Schwiegermutter, als sie die Wohnung betrat.

Mein Sohn wohnt hier, also muss ich ja auch einziehen, sagte die Schwiegermutter, als sie die Tür zur Wohnung aufstieß.

Lass uns am Samstag zum Wochenmarkt fahren und ein paar Setzlinge holen, schlug Maren vor, während sie ihrem Mann Andreas einen Tee einschenkte. Für den Garten Tomaten, Gurken, ein bisschen Salat.

Andreas nickte, die Augen noch auf das Handy gerichtet:

Klar, aber wir sollten früh losfahren, sonst stecken wir im Stau.

Abgemacht, erwiderte Maren und setzte sich ihr gegenüber. Und heute Abend ins Kino? Der neue Film ist ja gerade angelaufen, den wollte ich schon lange sehen.

Andreas hob den Blick vom Bildschirm, lächelte:

Na bitte, Lieschen. Wir haben lange nichts mehr zu zweit unternommen.

Maren seufzte zufrieden. So sollte es immer sein ruhige Abende, Wochenendpläne, keine Hetze. Nach acht gemeinsamen Jahren hatten sie gelernt, die stille Harmonie ihres Familienlebens zu schätzen.

Das Telefon vibrierte. Andreas sah auf das Display und runzelte die Stirn:

Mama ruft. Seltsam, sie meldet sich zu dieser Stunde nicht, wenn sie etwas Dringendes hat.

Nimm ab, sagte Maren und nickte.

Hallo, Mama, schaltete Andreas den Lautsprecher ein. Was gibt es?

Andreas, mein Schatz, ich habe Neuigkeiten!, platzte Helga Schmidts Stimme aufgeregt heraus. Ich habe meine Wohnung verkauft!

Maren und Andreas sahen sich ratlos an.

Wie bitte?, stammelte Andreas. Du hast mir nie gesagt, dass du verkaufen willst.

Es kam ganz plötzlich, fuhr die Schwiegermutter hastig fort. Nachbarin Tamara hat mir erzählt, ihr Neffe sucht eine Bleibe. Er hat ein gutes Angebot gemacht, ich habe zugestimmt. Das Geld ist schon überwiesen, morgen unterschreiben wir den Vertrag.

Mama, warte, drückte Andreas die Nase zusammen. Wo willst du jetzt wohnen?

Du hast doch eine Wohnung, sagte Helga, als wäre das selbstverständlich. Morgen Abend komme ich vorbei, bringe meine Kisten mit.

Maren spürte, wie ein kalter Schauer ihr den Rücken hinablief. Sie blickte zu ihrem Mann, doch dieser schwieg verwirrt.

Mama, können wir das bitte in Ruhe besprechen?, drängte er schließlich. Komm rüber, dann reden wir.

Zum Reden gibt es nichts, schnitt Helga abweisend. Ich bin deine Mutter, ich habe nirgendswo mehr ein Dach. Nun gut, ich muss los, noch viel zu erledigen. Bis morgen!

Ein Klingelton ertönte, Andreas legte das Telefon schwer auf den Tisch.

Sie macht das jetzt ernst? flüsterte Maren.

Ich weiß nicht, fuhr Andreas die Hand durch die Haare. Sie ist manchmal impulsiv. Vielleicht erklärt sie morgen alles.

Doch Maren kannte ihre Schwiegermutter gut. Helga Schmidt scherzte nie, wenn es um ihren Sohn ging. Und wenn sie sagte, sie würde einziehen, dann meinte sie das wirklich.

In der Nacht lag Maren wach und sah vor ihrem inneren Auge das Bild einer Zukunft: Helga in ihrer Küche, im Wohnzimmer, ständig mit Ratschlägen und Kritik. Sie wälzte sich hin und her, während Andreas friedlich schlief.

Am Morgen stand Maren erschöpft und zerknirscht auf. Andreas war bereits zur Arbeit gegangen, hinterließ einen Zettel: Marlies, mach dir keine Sorgen. Wir reden heute Abend mit Mama. Ich liebe dich.

Marlies zerknüllte den Zettel. Leichtfertig zu sagen, er solle sich nicht sorgen das war nicht ihr Problem, das war die Mutter, die ihr Leben umkrempeln wollte.

Bei der Arbeit fiel ihr das Konzentrieren schwer. Kollegin Liesel bemerkte die bedrückte Miene:

Marlies, was ist los? Du siehst traurig aus.

Marlies erzählte von dem Anruf.

Ach du meine Güte, schüttelte Liesel den Kopf. Meine Schwester hatte dieselbe Situation, die Schwiegermutter zog ein, nach drei Monaten war die Ehe schon gescheitert.

Marlies Herz zog sich zusammen.

Ich will dich nicht erschrecken, sagte Liesel einfühlsam, aber vielleicht ist deine Schwiegermutter ja doch ganz normal.

Marlies lächelte bitter. Normal? Helga meint, nur sie kann Borschtsch kochen, Wäsche richtig waschen und das ganze Haus führen. Jeder Besuch wurde zur Probe endlose Vorwürfe, Ratschläge, Kritik.

Am Abend kam sie früher nach Hause, wollte wenigstens ein wenig Zeit allein haben, bevor Helga eintraf. Sie durchstreifte die Wohnung, als würde sie sich von ihrem alten Leben verabschieden das gemütliche Schlafzimmer, das Wohnzimmer, in dem sie Filme gesehen hatten, die Küche, in der sie gern gekocht hatte.

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Andreas trat ein, und hinter ihm Marlies erstarrte.

Mein Sohn wohnt hier, also muss ich ja auch einziehen, sagte Helga, als sie die Wohnung betrat.

Ein Umzugswagen stand im Flur, ein schwerer Koffer und weitere Taschen standen bereit.

Hallo, Marlies, pflückte Helga ihr die Wange. Endlich da. Andreas, zeig mir, wo ich mich einrichten kann.

Andreas warf einen schuldbewussten Blick zu seiner Frau.

Mama, können wir erst reden? Lass dich erstmal setzen, trink einen Tee.

Später reden wir, wischte Helga ab. Der Weg war lang, jetzt zeig mir das Zimmer.

Wir haben nur zwei Zimmer, begann Andreas. Schlafzimmer und Wohnzimmer.

Dann wird das Wohnzimmer mein Zimmer, erklärte Helga, als wäre das selbstverständlich. Ein Schlafsofa? Perfekt. Sie wandte sich an den Umzugshelfer: Alles in das Wohnzimmer räumen.

Marlies stand wie versteinert da. Das Wohnzimmer, ihr Ort zum Entspannen, war plötzlich das Reich der Schwiegermutter.

Mama, können wir das bitte in Ruhe besprechen? Du hast uns nicht gefragt, nicht um Erlaubnis gebeten.

Helga drehte sich zu ihr, die Augen kalt und überheblich.

Mädchen, das ist die Wohnung meines Sohnes. Ich bin seine Mutter, ich brauche keine Erlaubnis.

Ich bin seine Frau!, platzte Marlies heraus.

Genau, bekräftigte Helga. Ich bin die Mutter, du bist die Frau.

Andreas stand wie ein bunter Hund zwischen den beiden, konnte weder das eine noch das andere verteidigen.

Helga zahlte den Umzugshelfer, schloss die Tür hinter sich und fragte: Um wie viel Uhr gibt es Abendessen?

Ich habe noch nichts gekocht, knurrte Marlies.

Kein Problem, sagte Helga, ich koche selbst. Ihr lebt ja von Fertigprodukten.

Im Flur stand Marlies mit Tränen in den Augen.

Warum hast du geschwiegen? Warum hast du nicht gesagt, dass sie nicht einfach so einziehen kann?

Marlie ich bin doch deine Mutter, stotterte Andreas, sie hat wirklich keine Bleibe.

Aber sie hat das Geld doch woanders hin investiert, rief Marlies.

Sie hat sie hat in ein Unternehmen ihrer Freundin investiert, murmelte Andreas, den Blick abwendend.

Ein Geräusch aus der Küche: Keine einzige ordentliche Pfanne! Wie soll man damit kochen? schimpfte Helga.

Marlies verschwand ins Schlafzimmer, ließ die Tür hinter sich zuknallen und fiel erschöpft aufs Bett. Zum ersten Mal seit acht Jahren wollte sie einfach alles packen und weggehen. Aber wohin? Und warum musste sie das Haus verlassen, das sie mitgeprägt hatte?

Eine Stunde später rief Helga zum Abendessen. Auf dem Tisch dampfte Borschtsch.

Setzt euch, es ist heiß, befahl sie. Andreas, schneide das Brot.

Marlies setzte sich schweigend, der Duft war verführerisch, aber ihr Magen blieb leer.

Schmeckt dir nicht?, fragte Helga.

Ich habe keinen Hunger, erwiderte Marlies.

Komisch, eine arbeitende Frau sollte gut essen. Vielleicht solltest du ein wenig abnehmen, wies Helga, während sie eine Löffel Borschtsch probierte.

Marlies ballte die Hände unter dem Tisch. Die Spannung war greifbar.

Mutter, fuhr Andreas widerwillig fort, Marlies sieht gut aus.

Ich habe nichts Schlimmes gesagt, protestierte Helga. Ich sorge nur dafür, dass meine Schwiegertochter hübsch bleibt.

Sie ist bereits schön, murmelte Andreas, sichtlich verlegen.

Nach dem Essen erklärte Helga, dass sie am nächsten Morgen mit einer Grundreinigung beginnen würde.

Ich sehe, dass ihr hier nicht mehr richtig putzt, sagte sie überheblich.

Marlies biss die Zähne zusammen. Wir putzen jeden Samstag, alles glänzt.

Du siehst es nur so, Liebes, lächelte Helga herablassend. Mein Standard ist höher.

In der Nacht brach Marlies in Tränen aus. Andreas zog sie zu sich, flüsterte: Bitte weine nicht. Das ist nur vorübergehend.

Wie lange? Einen Monat? ein Jahr? das ganze Leben? schluchzte sie.

Ich weiß es nicht, gestand er. Aber wir finden eine Lösung.

Marlies warf ihm einen Vorwurf zu: Du hast nicht für mich eingestanden, als sie über meine Figur sprach.

Ich habe nur gesagt, dass du schön bist, protestierte er.

Nur, nachdem sie das nochmal betont hat!, schrie Marlies. Ich habe das Recht auf meine eigene Wohnung.

Andreas versuchte zu erklären, dass die Mutter nur Hilfe anbieten wolle, doch Marlies ließ ihn nicht mehr reden.

Am nächsten Morgen weckte das Geräusch des Staubsaugers die Stadt. Auf der Uhr zeigte 6:30 Samstag, ihr freier Tag.

Helga in einem Schürzchen kämpfte im Wohnzimmer mit dem Staubsauger.

Guten Morgen!, rief sie über das Surren. Früh aufstehen, der frühe Vogel fängt den Wurm!

Helga, es ist halb sieben, widersprach Marlies müde. Wir hätten später starten können.

Wer früh aufsteht, dem hilft Gott, lachte Helga. Ihr jungen Leute wollt euch doch noch ausruhen.

Marlies ging zurück ins Schlafzimmer, sah Andreas noch liegen.

Deine Mutter staubsaugt um sieben Uhr, sagte sie scharf.

Andreas seufzte und versprach, das Gespräch zu suchen. Doch bevor er etwas sagen konnte, war Helga mit frisch gebackenen Pfannkuchen zurück.

Marlies, willst du einen Tee?

Marlies nickte stumm. Auf dem Tisch stapelten sich goldgelbe Pfannkuchen.

Andreas, schneide das Brot, sagte Helga, als wäre das ein Befehl.

Erinnerst du dich, wie du mir als Kind Pfannkuchen gemacht hast? fragte Andreas lächelnd.

Marlies trank still ihren Tee. Sie wollte auch Pfannkuchen backen, aber ihr Mann aß jetzt die von Helga.

Ich muss das Bad umräumen, sagte Helga plötzlich. Die Handtücher stehen überall, das Shampoo ist verstreut.

Im Bad ist doch alles in Ordnung, antwortete Marlies kühl.

Ach, du bist noch jung im Haushalt, schmunzelte Helga. Ich zeige dir, wie man richtig putzt.

Marlies verließ den Tisch, schloss die Tür zum Schlafzimmer und ließ sich auf das Bett fallen. Sie dachte an das Leben vor acht Jahren, als das Haus nur ihr und Andreas gehörte.

Ein Stich ins Herz, als Andreas nach ihr rief: Marlies, was ist los? Warum benimmst du dich so?

Du siehst es ja: das ist ihr Haus, nicht unseres, erwiderte sie.

Sie meint es nicht böse, versuchte Andreas zu beruhigen. Sie will nur helfen.

Helfen?, lachte Marlies bitter. Sie will den Platz einnehmen, die Kontrolle übernehmen.

Andreas sah verwirrt aus: Ich habe das nie gesehen.

Marlies stand auf, ging zum Flur und sah, wie Helga die Möbel im Schlafzimmer neu anordnete.

Das ist nach FengShui besser, erklärte Andreas.

FengShui? Das ist unser Schlafzimmer!, schrie Marlies. Hier soll ich mich zurückziehen können, wenn deine Mutter hier ist!

Helga drehte sich um, ihr Blick kalt.

Das ist die Wohnung meines Sohnes. Ich bin seine Mutter, du bist nur die Frau.

Marlies schlug die Hände vor den Kopf. Entweder du gehst, oder ich gehe.

Andreas erstarrte, seine Augen füllten sich mit Tränen.

Ich kann dich nicht zwischen dich und deine Mutter wählen, flüsterte er.

Marlies stand fassungslos da, das Herz pochte wie ein Trommelwirbel.

Einige Tage später hatte Helga das ganze Wohnzimmer übernommen, die Vorhänge aufgehängt, die Küchenschränke umgestellt.

Marlies fand eine neue Hoffnung, als sie beim Frühstück hörte:

Hier liegt das Geld, das ich investiert habe, gestand Helga leise. Ich habe es in das Geschäft einer Freundin gesteckt, das war ein Betrug.

Wie viel? fragte Marlies, doch Helga schüttelte den Kopf.

Ich habe nichts mehr, die Wohnung ist weg, das Geld verschollen.

Andreas trat ein, sah die Tränen seiner Mutter.

Mama, warum hast du mir das nicht gesagt?

Helga senkte den Blick: Ich wollte nicht dumm erscheinen.

Wir müssen jetzt zur Polizei, sagte Andreas entschlossen.

Marlies nickte: Und einen Anwalt. Vielleicht können wir den Kauf anfechten.

Helga weinte plötzlich richtig. Ich war immer die starke Frau, jetzt bin ich nur eine alte, hilflose Witwe.

Marlies legte eine Hand auf ihre Schulter: Du bist nicht allein. Wir sind Familie.

Andreas umarmte seine Mutter, Marlies setzte sich zu ihnen.

Wir werden das zusammen durchstehen, sagte er.

Einige Tage später fand Helga eine kleine Einzimmerwohnung in der Nähe. Marlies brachte ihr Kissen, ein paar Topfpflanzen und ein Lächeln.

Hier ist es gemütlich, sagte Helga dankbar. Danke, Marlies.

Komm uns besuchen, aber bitte vorher anrufen, erwiderte Marlies.

Helga lächelte und versprach es. Sie kam nun nur noch ein- bis zweimal pro Woche, brachte selbstgebackene Kuchen mit und erzählte Anekdoten aus ihrer Jugend.

Langsam heilten die Wunden. Helga ließ die ständigen Kritikpunkte fallen, Marlies spürte weniger Ärger, und das Haus wurde wieder zu ihrem gemeinsamen Heim.

Eines Abends, während sie zusammen einen Apfelstrudel backten, sagte Helga:

Ich habe früher gedacht, mein Sohn gehört mir, ich muss ihn leiten. Jetzt sehe ich, dass er eine eigenständige Frau hat.

Und wir beide sind wichtig für ihn, nur auf unterschiedliche Weise, erwiderte Marlies.

Helga umarmte ihre Schwiegertochter:

Danke, dass du mich angenommen hast.

Wir sind Familie, sagte Marlies.

Später, auf dem Sofa im nun wieder leeren Wohnzimmer, lehnte sich Marlies an Andreas:

Ich dachte, ich halte das nicht aus, als deine Mutter hier war, aber jetzt bin ich froh, dass wir geredet haben.

Warum? fragte Andreas überrascht.

Weil wir gelernt haben, nicht zu schweigen, sondern Probleme anzusprechen. Das hat uns stärker gemacht.

Andreas küsste sie sanft auf die Stirn:

Du bist meine Heldin.

Und ich dich, flüsterte Marlies.

Der Abendhimmel über Berlin wurde dunkler, das Licht der Stehlampe tauchte das Zimmer in warmes Leuchten. Das Leben war wieder einfach, mit seinen Schwierigkeiten, doch nun nicht mehr unüberwindbar, weil die Liebe und das offene Gespräch das Fundament ihrer Familie bildeten.

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„Mein Sohn lebt hier, also werde ich es auch tun“, sagte die Schwiegermutter, als sie die Wohnung betrat.
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