Das Mädchen mit dem bunten Haar bekam eine Stelle als Reinigungskraft in einem Café. Als der Besitzer herausfand, wer sie ist, schrie er sie an.

Heike bekam im Café Zum goldenen Stern in Berlin einen Job als Reinigungskraft. Als der Besitzer, Herr Müller, herausfand, wer sie war, schrie er sie an. Heike erstarrte. Vor ihr stand exakt das Café, von dem ihre Großmutter immer erzählt hatte erst vor Kurzem eröffnet, das Personal noch nicht komplett. Vielleicht würde auch sie hier Arbeit finden. Sie holte tief Luft, drückte die Tür auf und trat ein.

Vor vielen Jahren es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, war aber nur sieben Jahre her war Heike achtzehn, hatte ihr erstes SoloKonzert gegeben. Der Erfolg war riesig, die Zukunft schien hell. Doch dann kam das Unglück. Auf dem Heimweg wurde sie von einem rasenden Lkw erfasst. Ihre Eltern starben sofort, Heike selbst blieb bewusst, sah, wie ihre Eltern ums Leben kamen. Großmutter bekam einen Schlaganfall, ihre Beine versagten fast. Das Leben teilte sich in davor und danach. Drei Monate im Krankenhaus, dann endlose Operationen, eine dauerhafte Hinken, weil die Knochen falsch zusammengewachsen waren. Die Ärzte hatten einen Fehler gemacht. Großmutter lag fast ständig im Bett, die ersten zwei Jahre waren ein echtes Inferno. Immer wenn Heike die Augen schloss, sah sie die Gesichter ihrer Eltern, das Blut, den Unfall.

Zuerst mussten sie den ganzen Schmuck verkaufen. Großmutter weinte leise, Heike packte alles in Kisten. Die Medikamente kosteten ein Vermögen. Eine Anstellung war unmöglich, das Hinken schreckte jeden Arbeitgeber ab nicht nur das Gehen, sondern auch ihr Blick, ihr Gesichtsausdruck. Heike konnte nur Klavier spielen. In der Schule war sie gut, aber sonst nichts. Sie versuchte, als Verkäuferin zu arbeiten, doch wegen der Großmutter konnte sie keine Schicht übernehmen. Als das Geld vom Schmuck ausging, verkaufte Heike ihr altes Klavier, das ihre Eltern einst gespart hatten. Zwei Nächte weinte sie, bevor sie den Schritt wagte. Fremde kamen, zählten das Geld und nahmen das Instrument mit.

Jetzt schob sich die Großmutter mit einem Rollator allein durch die Wohnung. Heike organisierte den Restbetrag für die Erwerbsminderungsrente, sie lebten sparsam, ohne Fleisch und Süßes, aber sie kamen durch. Über Nachbarsinnen hörte die Großmutter vom Café. Sie kamen manchmal vorbei, brachten Tee, saßen lange und plauderten.

Der Tag, an dem das Café öffnete, kam leise, doch ein Klingelton erklang über Heike. Ein junger Mann trat ein:

Guten Tag, wir haben noch keine Stelle zu besetzen.

Ich weiß, ich bin hier wegen Arbeit, sagte Heike verlegen lächelnd.

Welche Position schwebt Ihnen vor?

Irgendeine, ich habe nur den Grundschulabschluss.

Vielleicht Servicekraft?

Heike wurde rot: Nein, das geht nicht.

Der Junge hob die Augenbraue: Dann bleibt nur Reinigung. Arbeitszeit von zwölf bis Schließung.

Er verlor sofort das Interesse und rief: Valentin, komm her! Wir haben Bewerber für die Reinigung. Kurz darauf kam ein zweiter Mann, blickte streng:

Alkoholkonsum und Diebstahl führen zur fristlosen Kündigung. Ich hoffe, das wird nicht nötig sein.

Heike nickte still: Natürlich. Er führte sie durch die Halle, zeigte, was zu säubern war. Valentin bemerkte ihr Hinken, knurrte leise. Heike folgte den Anweisungen, doch plötzlich stolperte sie und sah ihr altes Klavier vor sich. Sie griff nach dem Deckel, schloss die Augen, und ein leiser Ton schwang in ihr.

Ein rauer, spöttischer Stimme riss sie aus dem Moment: Was glotzt du? Schnapp dir den Wischmopp, hier bist du nicht gut genug für das Klavier.

Heike zog die Hand zurück, Tränen stiegen, doch sie hielt sie zurück. Sie stellte sich vor, wie sie von außen wirkt abgenutzte Kleidung, hinkender Fuß, leerer Blick. Entschuldigung, murmelte sie.

Wolfgang, der Leitungsleiter, kam gerade herein, gefolgt von seinem Freund Andreas, der zuerst zu Heike ging. Leon, der Filialleiter, war ebenfalls da und wollte Wolfgang irgendwann überholen. Das neue Lokal wirkte eher wie ein Restaurant, mehrere Filialen in der Stadt, der Besitzer hatte überall solche Betriebe.

Nur noch drei Tage bis zur Eröffnung, keine Zeit für Träume, alles musste blitzblank sein. Wolfgang seufzte, das Personal wirkte gut gewählt, sogar ein paar hübsche Mädchen. Ohne Heike wäre das Bild nicht komplett. Wolfgang dachte, wenn er sie zuerst gesehen hätte, wäre sie vielleicht sofort gegangen. Leon war immer gut gelaunt, nahm alles selbst in die Hand, damit keine Probleme entstanden.

Heike arbeitete dort schon ein halbes Jahr und fühlte sich überraschend glücklich. Sie bekam regelmäßig Geld, das Gehalt war anständig. Das Team war freundlich, die Mädchen nett und hilfsbereit. Wolfgang mochte sie nicht besonders und suchte ständig Fehler, doch Heike erledigte ihre Arbeit gewissenhaft, sodass ihm nichts zum Nörgeln blieb. Das nervte ihn nur noch mehr.

Warum steht der Eimer mitten im Raum? fragte er irritiert.

Heike lehnte sich auf den Wischmopp und grinste: Wolfgang Nikolajewitsch, wo soll ich den hinstellen, wenn ich den Boden wische?

Irgendwo in die Ecke, er stört alle.

Alle? Das Café ist geschlossen, wie soll er stören?

Er hörte das Lachen der anderen Mädchen. Der Eimer stand auf der Tanzfläche, wo er leicht umgangen werden konnte. Wolfgang wurde rot vor Zorn, doch die Mädchen hörten nicht mehr zu. Er ließ seine Wut an Heike und der Spülmaschine aus. Die Spülmaschine schickte ihn sofort raus, die Hauptlast blieb bei Heike. Gerade als er ihr etwas Scharfes sagen wollte, kam Andreas herein:

Hey Wolfgang, ich hab dich gesucht. Alles klar? Am Wochenende ist das Café für Besucher gesperrt, wir feiern den Geburtstag des lokalen Bankiers. Nikišov? Genau der.

Schade! Und das Restaurant hat nicht genug Geld?

Er war bei uns zu Mittag, hat es gemocht. Die Leute sind höflich, zahlen gut, keine Probleme.

Nichts wird kaputt gehen, keine Skandale.

Stimmt.

Wolfgang verlor das Interesse, ging schnell. Heike atmete erleichtert aus, es war fast geschafft, sie konnte nach Hause gehen.

Klara, eine Nachbarin, setzte sich zu ihr: Ach Heike, er lässt dich nicht in Ruhe! Sie lachten zusammen über die Situation. Heike seufzte: Was soll ich machen?

Sei wie Frau Schulze! Sag ihm, dass du gehst, schließ die Tür! Letztens hat sie ihm gesagt: Mach den Abwasch, ich geh nach Hause! Und er hat sich so erschrocken, dass er sich entschuldigte. Heike lachte: Bravo! Ich hätte das nie gewagt, sonst hätt ich den Job verloren.

Am Tag der Feier war das ganze Personal auf Trab. Die Servicekräfte kontrollierten die Tischdecken nach zehn Uhr. Heike rannte mit einem Lappen durch den Saal, wischte den unsichtbaren Staub. Wolfgang störte niemanden, war mit eigenen Dingen beschäftigt. Heike versuchte, den Namen Nikiforov zu erinnern, aber es war wohl nur ein bekannter Nachname. Plötzlich fuhr ein luxuriöses Auto vor, Gäste stiegen aus, die Parkplätze waren voll. Die Mädchen flüsterten:

Schau, das ist Olesja Kirova, hat Kosmetiksalons überall!

Und das ist der Besitzer des Einkaufszentrums!

Heike spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie musste nur nichts umstoßen oder verschütten, doch die Nervosität war kaum auszuhalten.

Eine Stunde nach Beginn drang Andreas plötzlich in den Hinterraum: Wolfgang, alles verloren! Der Besitzer wird mich umbringen!

Was ist passiert?

Wir haben immer noch keinen Musiker. Der Bankier dachte, es gäbe LiveMusik, hat einen Klavier gesehen. Was jetzt?

Er sah umher, bemerkte Wolfgangs zufriedenes Lächeln, fragte verzweifelt: Spielt denn jemand Klavier?

Wolfgang antwortete trocken: Natürlich nicht.

Heike flüsterte: Ich kann. und blickte zu Andreas.

Wolfgang lachte: Wischmopp und Klavier sind nicht dasselbe, du Dummkopf!

Andreas aber: Heike, wie gut spielst du? Wenn du es vermasselst, wirds noch schlimmer.

Ich weiß, ich schaffe das nicht.

Andreas klatschte: Mädels, helft mir das Problem zu lösen.

Klar, sofort!

Heike fragte: Können Sie das Licht dimmen, bevor ich ans Klavier gehe? Andreas nickte verständlich. Nach zehn Minuten saß Heike, völlig orientiert, am Instrument. Tränen standen ihr in den Augen, doch sie legte die Hände auf die Tasten, das gedämpfte Licht ließ die ganze Halle von einer traurigen Melodie erfüllt werden. Alles verstummte, Gespräche endeten.

Sie spielte mit geschlossenen Augen, spürte zugleich Freude und Sehnsucht. Tränen liefen leise über ihre Wimpern. Andreas fragte: Warum weint sie? und sah zu Klara.

Weil es ihr Klavier ist. Sie musste es nach dem Unfall verkaufen, um Medikamente zu kaufen. Wenn du das jemandem sagst, bringe ich dich um!

Andreas sah Heike plötzlich mit anderen Augen, bemerkte ihre zarten, fast durchsichtig wirkenden Hände, die langen Finger, die Haltung all das war von ihrer Chromosität verdeckt, die ihre wahren Stärken verhüllte.

Als die Melodie verklingte, stand Heike auf, das Publikum applaudierte. Andreas seufzte: Na, Leute! Wolfgang, such dir eine neue Reinigungskraft. Den Musiker hab ich selbst gefunden. Wolfgang nickte traurig. Der Bankier, dem heute der Geburtstag gefeiert wurde, trat zu Heike:

Guten Tag, ich kenne Sie. Sind Sie Margarita? Margarita Pohl?

Heike schaute verwirrt: Ja, das bin ich. Kennen wir uns?

Ich war bei Ihrem ersten Konzert. Meine Frau hat mich dort hingeschleppt. Ich bin kein großer Musikfan, aber das war beeindruckend. Wo sind Sie hin? Ich habe versucht herauszufinden, wann das nächste Konzert ist, aber niemand wusste es. Manche sagten, Sie wären weg, andere, etwas wäre passiert

Heike schüttelte den Kopf: Entschuldigung, das

Andreas ließ alles raus, erzählte dem Bankier, dass er nichts verstanden habe, weil er erst heute davon erfahren hatte. Gerade dann klingelte die Türglocke. Heike öffnete, und vor ihr stand ihr altes Klavier, daneben Andreas und das Personal.

Heike, schau!

Was ist das? Wie kommt das?

Der Bankier erklärte, dass Nikiforov (jetzt Herr Koch) im Café ein neues, modernes Instrument gekauft hatte und ihm aufgetragen hatte, es zurückzugeben.

Heike brach in Tränen aus. Ein Brief von ihm! Sie nahm den Umschlag, darin stand, dass der gestrige Abend dank ihr großartig war und dass er für alles in ihrem Leben sorgen wolle die OP in einer Privatklinik, alles bezahlt. Geld war kein Problem mehr.

Ein Jahr später tanzten Heike und Leon ihren ersten Hochzeitstanz genau in diesem Café.

Ich wollte dir das nur erzählen, weil ich dachte, du würdest dich freuen. Viel Glück, mein Freund.

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The Mother-in-Law Sent Her Daughter-in-Law to Gather Mushrooms in a Lonely Pine Forest—But She Didn’t Come Back Alone.