Frühlingserwachen: Die Kunst des Frühlingsbelegs

Am Morgen lag über dem Rhein ein dünner Reif, und das alte Fachwerkbrückengeländer knarrte unter jedem Schritt. Im Dörfchen Hohenau verlief das Leben wie immer: Jungen mit über die Schulter geschulterten Schulranzen hasteten über die Brücke zur Haltestelle, wo der Bus zur Grundschule wartete; die betagte Waltraud Schmidt schritt vorsichtig über die losen Bretter in der einen Hand trug sie eine Milchtüte, in der anderen einen Stock. Hinter ihr rollte gemächlich ein dreirädriges Fahrrad, auf dem der fünfjährige Emil, Nachbarsjunge, aufmerksam darauf achtete, nicht in eine Lücke zu geraten.

Am Abend versammelten sich die Dorfbewohner auf der Bank vor dem Laden, um über Eierpreise, das jüngste Tauwetter und die Überwinterungspläne zu diskutieren. Die Brücke verband beide Seiten des Dorfes: jenseits des Wassers lagen die Felder und der Friedhof, und die Straße dahinter führte ins nächste Gemeindezentrum. Manchmal blieb jemand am Ufer stehen, um das noch nicht ganz geschmolzene Eis zu beobachten. Über die Brücke sprach man selten; sie war stets da, ein fester Teil der Landschaft und des Alltags.

Doch in diesem Frühjahr wurden die Bretter lauter. Der alte Heinrich Bauer bemerkte zuerst einen neuen Riss am Geländer, tastete ihn ab und schüttelte den Kopf. Auf dem Heimweg hörte er zwei Frauen reden:

Es wird immer schlechter Gott bewahre, dass jemand fällt.
Ach was, die Brücke steht doch schon seit Ewigkeiten

Ihre Worte schwebten im Märzwind.

Am nächsten Morgen war das Wetter grau und feucht. An der Kreuzung hing ein Schild unter Plastik: Brücke gesperrt Anordnung des Bürgermeisters wegen Gefahr. Durchgang verboten. Die Unterschrift des Bürgermeisters war deutlich zu lesen. Jemand versuchte bereits, die Ecke des Schildes zu bücken, um zu prüfen, ob es wirklich ernst gemeint war.

Zunächst glaubte niemand der Warnung: Die Kinder streckten die Hände nach dem vertrauten Weg aus, kehrten aber um, weil ein rotes Band und ein Schild Durchgang verboten am Eingang hingen. Waltraud schaute lange über die Brille hinweg auf das Band, wandte sich dann langsam und suchte einen Umweg am Ufer.

Auf der Bank vor dem Laden versammelten sich etwa zehn Personen, die still das Schild im Kreis lasen. Der erste, der sprach, war Wilhelm Krause:

Was nun? Der Bus kommt nicht mehr Wer bringt die Lebensmittel?
Und wenn jemand dringend in die Stadt muss? Wir haben doch nur diese Brücke!

Die Stimmen klangen besorgt. Ein Vorschlag, über das Eis zu gehen, wurde sofort verworfen, weil das Eis bereits vom Ufer abrückte.

Bis zum Mittag verbreiteten sich die Neuigkeiten im ganzen Dorf. Die Jugend rief im Rathaus an und fragte nach einer provisorischen Übergangslösung oder einem Boot:

Man sagte, wir sollen auf die Kommission warten
Und wenn es eilig ist?

Die Antwort bestand aus formellen Floskeln: Untersuchung abgeschlossen, Entscheidung im Interesse der Sicherheit.

Am Abend traf sich der Dorfsportverein zu einer Versammlung. Fast alle Erwachsenen erschienen, bekleidet gegen die Feuchtigkeit und den Flusswind. Im Saal duftete es nach Tee aus Thermoskannen; jemand wischte beschlagene Brillen mit dem Ärmel seiner Jacke.

Zuerst war das Gespräch leise:

Wie bringen wir die Kinder zur Schule? Der Weg zur Hauptstraße ist weit.
Die Lebensmittel kommen von der Stadt

Es wurde darüber gestritten, ob man die Brücke selbst reparieren oder ein Seitengerüst bauen solle. Erinnerungen an frühere Jahre, in denen man nach Hochwasser gemeinsam Löcher stopfte, kamen auf.

Nikolai Schmitt meldete sich zu Wort:

Wir können einen offiziellen Antrag stellen! Wir brauchen zumindest eine Genehmigung für ein provisorisches Gerüst!

Ludmilla Peters unterstützte ihn:

Wenn wir uns alle zusammentun, geben sie schneller grünes Licht! Sonst warten wir monatelang

Man beschloss, ein kollektives Schreiben zu erstellen und die Namen aller zu notieren, die mit Händen, Werkzeug oder Material helfen wollten.

Innerhalb zweier Tage fuhr ein dreiköpfiges Team ins Gemeindezentrum, um den zuständigen Beamten zu treffen. Dort wurde nüchtern erklärt:

Nach Gesetz muss jede Baumaßnahme über den Fluss genehmigt werden, sonst haftet die Gemeinde! Aber wenn Sie ein Bürgerprotokoll vorlegen

Nikolai reichte ein Blatt mit Unterschriften der Dorfbewohner:

Hier ist unser Beschluss! Erlauben Sie das provisorische Gerüst!

Nach kurzer Beratung gab der Beamte mündlich sein Einverständnis, unter der Bedingung, dass die Arbeit sicher durchgeführt wird. Er versprach, Nägel und ein paar Bretter aus dem Lager der Stadtwerke zur Verfügung zu stellen.

Am Morgen nach der Versammlung war im ganzen Dorf bereits das Wort: Die Genehmigung steht, das Warten hat ein Ende. An der alten Brücke hingen neue Hinweisschilder, und am Ufer lagen die ersten Bretter und ein Sack Nägel das Ergebnis der Behörde. Noch vor Tagesanbruch versammelten sich die Männer am Ufer: Nikolai, in einer abgetragenen Steppjacke, nahm zuerst die Schaufel, um den Zugang zum Wasser zu räumen. Hinter ihm kamen weitere: mit Axt, mit einem Sack Draht. Die Frauen blieben nicht außen vor sie brachten Tee in Thermoskannen, manche brachten Baumwollhandschuhe für die, die ihre eigenen vergessen hatten.

Am Ufer lag noch stellenweise Eis, doch näher am Land war der Boden bereits matschig. Die Stiefel versanken im Schlamm, die Bretter mussten direkt auf den gefrorenen Boden gelegt und zum Rand geschoben werden. Jeder wusste, was zu tun war: der eine maß die Abstände, der andere hielt die Nägel im Mund und hämmerte sie leise ein. Die Kinder liefen am Rand, sammelten Zweige für ein Feuer: man bat sie, nicht im Weg zu stehen, doch sie wollten trotzdem nahe dabei sein.

Die Ältesten beobachteten vom gegenüberliegenden Sitzplatz aus Waltraud, jetzt noch wärmer eingepackt, hielt den Stock fest. Neben ihr setzte sich Emil, der neugierige Junge, fragte immer wieder, wie lange es noch dauern würde. Waltraud lächelte durch die Brille:

Hab Geduld, Emilchen bald kannst du wieder über die Brücke laufen.

Plötzlich schrie jemand vom Wasser aus:

Achtung! Das Brett ist rutschig!

Als der Niesel stärker wurde, breiteten die Frauen ein altes Segeltuch über den Arbeitsplatz, sodass darunter ein trockener Bereich entstand. Dort entstand ein provisorischer Tisch mit Thermoskanne, Brot in Tüten und ein paar Gläsern Kondensmilch. Während sie aßen, griffen sie sofort wieder zu Hammer oder Schaufel. Die Zeit verging schnell niemand drängte, doch jeder blieb am Ball. Mehrfach musste ein Brett korrigiert werden, weil es nach rechts rutschte oder die Pfähle im Schlamm nicht hielten. Nikolai fluchte leise vor sich hin, während Wilhelm vorschlug:

Lass mich von unten halten So ist es stabiler.

So arbeiteten sie weiter der eine gab Rat, der andere half mit den Händen.

Kurz vor Mittag kam ein junger Hausmeister aus dem Bauamt, eine Aktenmappe unter dem Arm. Er musterte das Gerüst genau:

Vergesst nicht die Geländer! Besonders für die Kinder!

Die Dorfbewohner nickten; sofort wurden passende Bretter für die Seitenbalken herangeholt. Die Unterschriften wurden direkt auf dem feuchten Papier geleistet, das an den Fingern klebte.

Gegen Abend war das Gerüst fast fertig: ein langer Steg aus frischen Brettern erstreckte sich entlang der alten Brücke, gestützt von provisorischen Pfählen und Holzstützen. An manchen Stellen stachen Nägel hervor, ein Teil des Werkzeugs war bereits halb leer. Die Kinder gingen zuerst über das neue Gerüst Emil hielt vorsichtig die Hand eines Erwachsenen, und Waltraud achtete auf jeden Schritt.

Ein Moment der Stille folgte, als die ersten Dorfbewohner das Gerüst überquerten. Zuerst langsam, lauschten sie dem Knarren, dann immer sicherer. Auf der anderen Seite winkte jemand:

Geschafft!

In diesem Augenblick löste sich die angestaute Spannung, als wäre ein innerer Federmechanismus entladen.

Am Abend versammelten sich die Helfer um ein Feuer am Ufer. Der Rauch zog niedrig über das Wasser, roch nach feuchtem Holz und glimmenden Ästen das Feuer wärmte die Hände besser als jeder Tee. Das Gespräch verlief gemächlich:

Vielleicht bekommen wir bald eine neue Hauptbrücke.
Aber bis dahin reicht das die Kinder können zur Schule.

Nikolai blickte nachdenklich ins Wasser:

Wenn wir zusammenhalten, schaffen wir alles, was kommt.

Waltraud dankte leise den Nachbarn:

Ohne euch hätte ich nie den Mut gefunden, allein weiterzugehen.

Später legte sich ein leichter Nebel über den Fluss; das Wasser war nach dem Hochwasser noch hoch, doch das Ufergrün wurde Tag für Tag dichter. Die Dorfbewohner gingen gemächlich nach Hause und planten den nächsten Großeinsatz im Vereinsheim oder den Zaun der Schule.

Am folgenden Tag kehrte das Leben zur Normalität zurück: Die Kinder gingen wieder über das Gerüst zur Bushaltestelle, die Erwachsenen trugen ihre Einkaufstaschen über den Fluss, ohne Angst, von der Stadt abgeschnitten zu werden. Eine Woche später prüften die Bauamtsvertreter die Übergangslösung erneut, lobten die sorgfältige Arbeit der Dorfbewohner und versprachen, die dauerhafte Reparatur der alten Brücke zu beschleunigen.

Die Frühlingstage wurden länger, Vögel zwitscherten am Ufer, das Wasser plätschert an den Pfählen des neuen Stegs. Die Menschen grüßten einander freundlicher, jeder wusste nun den Wert des gemeinsamen Handelns.

Ein neues Projekt stand bereits bevor die Reparatur der Dorfstraße oder der Bau eines Kinderspielplatzes bei der Schule. Doch das war ein anderes Gespräch. Jetzt war allen klar: Wer zusammenhält, kann jede Hürde überwinden das ist die wahre Stärke einer Gemeinschaft.

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