Alles neu beginnen: Der Weg zu frischem Anfang und neuen Möglichkeiten

13. November 2025

Heute habe ich die Tür zu der Wohnung hinter mir geschlossen, in der ich zehn Jahre mit Anneliese verbracht habe, und tief durchgeatmet. Die Scheidung war lang, schmerzhaft und schien unvermeidlich. Wir waren müde von endlosen Streitereien, von Missverständnissen, von einer Liebe, die sich zu einer bloßen Gewohnheit verwandelt hatte.

Endlich frei, murmelte ich leise, während ich die Stufen hinunterstieg.

Anneliese stand am Fenster und sah zu, wie meine Gestalt im Hof verschwand. Ihr Herz pochte schwer, doch sie biss die Zähne zusammen. So besser, wiederholte sie in ihrem Kopf.

Vor zehn Jahren sah die Welt noch ganz anders aus.

Das erste Jahr war wie ein Märchen. Wir schlenderten bis zum Morgengrauen, konnten kaum genug reden, lachten über die kleinsten Albernheiten. Ich schrieb ihr kleine Zettel und steckte sie in die Taschen ihrer Jacke. Anneliese weckte mich mit Frühstück, dafür stand sie eine Stunde früher auf. Wir glaubten, das würde ewig so bleiben.

Dann kam der Alltag: Arbeit, Haushalt, Erschöpfung. Ich, einst ein romantischer Träumer, sprach weniger und schwieg mehr. Denn Anneliese, die früher stundenlang meinen philosophischen Grübeleien lauschen konnte, sagte nun: Wieder deine tiefsinnigen Gedankengänge?

Streit begann leise. Zuerst wegen Kleinigkeiten: Müll nicht rausgebracht, ein Jahrestag vergessen, Musik zu laut. Dann wegen Größerem: Geld, Unverständnis, unerfüllte Träume.

Du hörst mir gar nicht mehr zu!, schrie Anneliese.
Und hörst du mich überhaupt?, schnappte ich zurück.

Trotz allem gab es Momente, in denen wir uns einräumten: Wir lieben uns doch noch. In Nächten, in denen wir beide nicht schlafen konnten, redeten wir ohne Zorn, wie früher. Es schien, als könnten wir noch etwas retten.

Doch die Müdigkeit siegte.

Jetzt ging ich die Treppe hinunter, sie sah mir nach, und wir dachten beide:
Ist das wirklich unser Schicksal?

Drei Monate später lebe ich in einer kleinen Wohnung am Rand von Berlin. Es scheint, als hätte ich endlich alles, was ich wollte: Ruhe, Freiheit, keine Streitereien. Trotzdem wachte ich jeden Morgen um sechs Uhr auf und griff reflexartig nach Anneliese auf der anderen Seite des Bettes.

Anneliese blieb in unserer gemeinsamen Wohnung. Sie warf meine alte Zahnbürste weg, stellte die Möbel um und versprach sich, dass jetzt alles anders wird. Doch wenn es abends dunkel wurde, hörte sie das Geräusch des Schlüssels im Schloss in ihrem Kopf.

Ein unerwartetes Treffen

Wir stießen im Supermarkt zusammen. Ich drehte mich an der Getreideabteilung um und stieß versehentlich in einen Einkaufswagen.

Entschuldigung, begann ich, hob die Augen und schwieg dann.

Dort stand Anneliese ohne Make-up, in einem weiten Strickpullover, mit einer Packung meiner Lieblingslebkuchen in der Hand.

Du hast doch diese doch nie gemocht, sagte ich halb im Scherz.

Und du kaufst immer noch diese billige Spaghetti?, erwiderte sie und nickte zu meinem Korb.

Ein Schweigen fiel. Wir wussten, wir sollten nur noch Auf Wiedersehen sagen und weitergehen. Doch die Beine wollten nicht gehorchen.

Wie gehts dir?, zwang ich mich schließlich.

Prima, log Anneliese.

Wir standen so eine Minute, zwei, bis eine ältere Frau hinter uns räusperte: Junge, seid ihr hier lange? Ihr versperrt den Durchgang!

Ich trat zurück.

Na gut machs gut.
Machs gut.

Zuhause griff ich sofort zum Handy.

Erinnerst du dich an den ersten Strandurlaub? Du hast dich so laut beschwert, dass ich das Handtuch vergessen habe

Ein kurzer Moment, dann drückte ich Senden.

Zwei Minuten später kam die Antwort:
Erinnere mich. Und was wir anstelle dessen benutzt haben, weiß ich auch noch.

Ich lachte. Wir hatten den ganzen Tag am Strand in meinen T-Shirts verbrannt.

Morgen um sieben, unser Café. Kommst du?
Auf dem Bildschirm blinkte lange schreibt Nachricht.

Ich komme.

Neu anfangen.

Das Café war dasselbe, aber doch ein anderes. Dieselben Wände, derselbe Duft von frisch gebrühtem Kaffee, doch an dem Fensterplatz saßen jetzt nicht mehr zwei verliebte Träumer, sondern zwei vorsichtige Menschen mit Narben im Herzen.

Ich kam fünfzehn Minuten zu früh und trommelte nervös mit den Fingern auf den Tisch. Als die Tür aufschwang und ein kühler Herbstwind zusammen mit Anneliese hereinströmte, zog sich mein Herz zusammen. Sie trug genau den Pullover, den ich ihr einst zum Geburtstag geschenkt hatte, und ihr Haar war vom Wind leicht zerzaust.

Du bist zu früh, bemerkte sie und setzte sich mir gegenüber.
Du kommst wie immer zu spät, konterte ich, doch meine Stimme war nicht mehr scharf, sondern warm und müde.

Wir schwiegen. In der Stille zwischen uns schwebten all die unausgesprochenen Worte, all die Vorwürfe und jedes Entschuldige.

Warum hast du die Lebkuchen gekauft?, fragte ich plötzlich. Du kannst sie doch nicht ausstehen.
Anneliese senkte den Blick, strich mit dem Finger über den Rand der Tasse.

Hab mich daran gewöhnt. Zehn Jahre lang hast du sie in den Korb gelegt Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich sie nehme.

Ich atmete tief ein.

Ich stehe immer noch um sechs auf und suche dich reflexartig. Aber du bist nicht mehr hier

Wir sahen einander an und erkannten plötzlich, dass wir die Gespenster des anderen gewesen waren.

Wir waren so dumm, flüsterte Anneliese. Wir dachten, wir hätten uns nicht mehr geliebt.
Nicht vergessen, nur das Gefühl, zu lieben, war erstickt, ergänzte ich.

Langsam streckte ich die Hand über den Tisch. Sie zögerte einen Moment, dann legte sie ihre Hand in meine.

Lass uns’s noch einmal versuchen, hauchte ich. Aber diesmal wissen wir, was wir nicht tun dürfen.

Von vorne?

Nein, schüttelte ich den Kopf. Nicht von vorne. Mit all unserem Gepäck, unseren Fehlern, unserer Geschichte. Nur anders.

Wie genau?, fragte sie.

Ich dachte nach. In meinen Augen flackerte etwas Neues keine jugendliche Aufregung, sondern ruhige, erkämpfte Zuversicht.

Es heißt, ich höre dein albernes Ärzte-Drama endlich an, ohne so zu tun, als würde es mich stören.
Und du hörst auf, wütend zu werden, wenn ich beim dritten Kapitel einschlafe.

Du bringst den Müll raus, ohne dass ich dich daran erinnern muss.
Und du lässt meine Socken nicht mehr unter dem Bett verschwinden.

Niemals!, lachte sie. Dann wurde ihr Blick ernst. Aber ich werde lernen, nicht mehr zu schreien wegen der Socken.

Ein Schweigen. Draußen regnete es genau wie am Tag unseres ersten Treffens.

Anders bedeutet, wir streiten, aber wir gehen nicht in getrennte Zimmer. sagte ich leise.
Ich sammle keine Vorwürfe mehr, und du verschließt dich nicht mehr in dir.

Ich legte meine andere Hand über ihre.

Wir erinnern uns daran, dass kein fremder Mensch uns je so zum Lachen gebracht hat, wie wir uns gegenseitig zum Lachen bringen.

Sie verschränkte ihre Finger mit meinen.

Das ist beängstigend.
Ja, stimmte ich zu. Aber ich fürchte mich mehr davor, eines Morgens aufzuwachen und dich nicht mehr zu haben.

Der Kellner brachte die Rechnung. Wir traten nach draußen. Der Regen hatte aufgehört. In der Ferne tauchte ein schwacher Regenbogen auf nicht grell, aber echt. Wie unsere Liebe. Kein Märchen, nicht perfekt, einfach die, für die es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen.

Gehen wir nach Hause?, fragte ich.
Gehen wir, nickte Anneliese.

Unsere Schritte fanden einen gemeinsamen Takt holprig, erkämpft, doch unser eigener. Dieses Mal für immer.

Lehre des Tages: Liebe ist kein Endzustand, sondern ein ständiges Neuanfangen, bei dem man lernt, die eigenen Schatten zu akzeptieren und gemeinsam das Licht zu suchen.

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Alles neu beginnen: Der Weg zu frischem Anfang und neuen Möglichkeiten
I Was with Your Husband While You Were Sick in Bed,” Smirked My Friend. “Now I’m Taking Him… and the House.