Das Traumhafte Hochzeitskleid: Eleganz für den besonderen Tag

Das Hochzeitskleid blieb übrig, die Ehe jedoch nicht. Dafür blieb die Geschichte, in der alles wirklich war.

Als in meinem neuen Haus die überfüllte Garderobe schon an den Rändern knarrte, schwor meine Frau Lieselotte ihrem Mann, die Klamotten zu sortieren: Alte Stücke wegwerfen, verschenken oder verkaufen (wie in meiner Erzählung Opfer der Mode).

So stand sie etwa eineinhalb Stunden im Schrank, schob Kleider von einem Bügel zum anderen und rechtfertigte jedes im Kopf: das reicht noch, das zum Spaziergang mit dem Dackel, das für den Wohltätigkeitsball.

Der Haufen für den Müll war enttäuschend klein. Alles schien wichtig, nötig, fast schon familiär.

Plötzlich tauchte aus den Tiefen des Schranks ein Stoffbeutel auf.

Was haben wir denn hier? runzelte sie die Stirn. Oh! Das ist ja mein Hochzeitskleid!

Nicht der elegante blaue Chanel-Anzug, in dem sie beim zweiten Mal im Standesamt unterschrieb, sondern das Kleid ihrer ersten Hochzeit das Relikt, das über Ozeane und Jahre mit ihr gezogen war.

Lieselotte heiratete das erste Mal mit einundzwanzig, nach heutigen Maßstäben fast ein Teenager, damals jedoch schon fast ein altes Jungfernherz. Sie fing an, die verwirrten Blicke Bekannter zu spüren, das Mitgefühl verheirateter Freundinnen und die Sorge ihrer Mutter und Großmutter.

Und dann kam der Anwärter: ein netter Junge aus einer angesehenen Familie, fast selbständig, ein Jahr älter und kurz vor dem Abschluss an der Universität.

Sie sagte zu. Er war sympathisch, verliebt, ihr gefiel er, die Eltern gaben ihr den Segen. Was fehlte noch für das Glück? Wilde Leidenschaften?

Der Vater meinte, Leidenschaften seien Erfindungen der Schriftsteller, die Familie dagegen für das echte Leben.

Die Hochzeit sollte klein, in einem Café, ohne Prunk, ohne Limousinen (woher denn welche?) werden.

Als es um die Kleider ging, begann das Abenteuer. Der Bräutigam bekam ein Outfit aus einem Gutschein des Brautmodengeschäfts, Lieselotte hatte Glück mit den Schuhen, das Kleid aber ein Reinfall.

Damals sahen Bräute aus Tüll und Rüschen aus, mit Borten so groß wie Propeller eines Maischoppers. Alles war rührend und ein wenig komisch, auf seine Weise ehrlich und schön, doch das wollte sie nicht. Keine bodenlange Schleier, kein trainierendes Kleid, das durch die Berliner Straßen wehte. Sie träumte von einem besonderen Kleid exklusiv und zugleich praktisch, nicht nur für den Schrank, sondern für Fest und Alltag.

Die Schneiderin ihrer Mutter schlug ein Kleid aus weißem Batist mit feinen blauen Blumen und Korsett vor. Lieselotte erstarrte: Sie war zu diesem Zeitpunkt leicht schwanger, nach der Anmeldung beim Standesamt. Die neue Situation verbarg sie vor den Eltern, doch ein straffes Korsett und morgendliche Übelkeit passten nicht zusammen. Sie murmelte etwas von Blumen und zog sich zurück.

Rettung brachte ihr Opa und die Oma aus Italien. Als sie erfuhren, dass die Enkelin heiratet, beschlossen sie, das Kleid als Geschenk zu geben.

Lieselotte wartete gespannt auf das Paket mit Freude und Angst. Als sie es endlich öffnete, traute sie ihren Augen nicht: Das Kleid war schlicht, aber elegant im Stil der Zwanziger, weiche Stoffe, freier Schnitt, waagerechte Falten an der Taille, Rock etwas unter das Knie. Keine Spitze, kein Glitzer nur ein leichter Schleier und zarte Handschuhe, die dem Ganzen stille, edle Schlichtheit verliehen.

Der Bräutigam bestand auf dem Schleier er wollte, dass alles wirklich ist. Nach der Trauung trug er sie auf den Händen bis in den sechsten Stock, zog sie herunter und sie fielen erschöpft, benommen und übermüdet auf das Bett, schliefen sofort ein. Um halb sieben musste es dann zum Flughafen, um den Flug nach Georgien für die Flitterwochen zu erwischen.

Drei Jahre später wanderte die junge Familie in die USA aus. Das Kleid natürlich mitgenommen. Es wurde nie wieder getragen, nur ein paar Freundinnen liehen es sich die kleineren, glücklicheren. Die anderen sahen neidisch zu.

Als die Ehe zerbrach, packte Lieselotte das Kleid erneut in einen Koffer für den Umzug nach Europa für alle Fälle.

Jetzt, Jahrzehnte später, stand sie mitten in der Garderobe und dachte: Ich muss es verkaufen.

Sie fotografierte das Kleid, schrieb eine kurze Beschreibung und stellte es auf eBay Kleinanzeigen der deutschen, günstigen Version von eBay, wo man alles kaufen kann, von der Kaffeemaschine bis zum Hamster.

Preis: 98 Euro, nicht zu billig, aber auch nicht überteuert.

Zu ihrer Überraschung wurde das Kleid am selben Tag verkauft. Die Käuferin war eine Einheimische, und sie verabredeten sich in einem Café im Zentrum, um das Ganze ohne Versand abzuwickeln.

Lieselotte saß bereits mit einem Cappuccino und einem Croissant, als plötzlich eine junge Frau, etwa siebenundzwanzig, mit hellen Haaren und blauen Augen, wie ein Wirbel zu ihrem Tisch flog.

Gott, das war ich früher, dachte Lieselotte.

Die Frau betrachtete das Kleid, staunte, drehte es in den Händen und redete ununterbrochen: Sie kommt aus Polen, studiert Pharmazie, ihr Verlobter ist ein Spanier, ebenfalls noch in der Ausbildung und arbeitet.

Wir brauchen niemanden, der uns hilft, das brauchen wir nicht, sagte sie selbstbewusst. Wir schaffen das alles selbst. Die Hochzeit wollen wir im GatsbyStil, für Freunde, ausgelassen. Ihr Kleid ist ein Wunder, passt perfekt!

Lieselotte lächelte:

Dann ist das gut. Ich freue mich, dass ich helfen konnte. Geld brauchst du nicht, nimm es einfach.

Sie wischte eine Träne weg und dachte: Vielleicht bringt dir, Mädchen, dieses Kleid echtes Glück. Und ich, wenn ich darüber nachdenke, hatte es gar nicht so schlecht: Liebe, zwei wundervolle Söhne, Reisen, Lachen. Nicht alles kommt sofort und nicht wie im Film.

Die junge Frau ging, und draußen fiel ein leichter Regen dünn wie ein Schleier. Lieselotte sah hinaus und dachte, Glück hat viele Gesichter.

Manchmal ist es wie ein Kleid: nicht neu, aber vertraut. Hauptsache, es passt einmal im Leben.

Sie rührte den abgekühlten Cappuccino um, lächelte und sagte leise zu sich selbst: Ich sollte den Schrank gründlich durchsehen da ist noch viel drin.

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