Die perfekte Ehefrau

Hey, du, ich muss dir die verrückte Geschichte von Niko und seiner Heike erzählen das ist total abgefahren. Also, der Doktor im Krankenhaus hat noch so gelacht und gesagt, dass Niko echt Glück mit seiner Frau hat. Niko hatte solche Angst, dass Heike herausfindet, warum er überhaupt im Krankenhaus gelandet ist. Er dachte, dann würde er nie wieder so viel Zuwendung und Aufmerksamkeit kriegen! Aber über das Geplapper der Schwestern hat er gecheckt, dass Heike von allem weiß.

Niko ist von Natur aus ein echter Plaudertasche, kein Wunder, dass er zu den TopVerkäufern im Unternehmen gehört hat. Das hat ihm beim Flirten echt geholfen. Äußeres war er nicht besonders gesegnet, Geld auch nicht, aber Charme? Den hat er im Überfluss.

Er hat die schüchterne, süße Waise Heike fast ohne Aufwand erobert. Und im Gegensatz zu anderen Frauen hat sie ihn richtig fest im Griff bekommen. Nach einem halben Jahr hat er ihr einen Antrag gemacht, den sie sofort freudig angenommen hat.

Die beiden wohnen jetzt in einer Zweizimmerwohnung in Berlin, die Heike von ihrer Großmutter geerbt hat, und Niko hat seine kleine Einzimmerwohnung in Hamburg weitervermietet das gibt ein bisschen Geld für die Familie. Die Wohnung hat Niko zum 18. Geburtstag von seiner Mutter bekommen.

Jetzt bist du selbst dran, hat seine Mutter Theresa gesagt. Ich kann mich endlich wieder um mein eigenes Leben kümmern. Niko fuhr selten in das Nachbarland, weil er nicht den neuen Stiefvater noch belasten wollte und die Mutter sowieso nicht stören wollte.

Jetzt hat er aber endlich seine eigene Familie, und das freut ihn riesig. Heike hat dich ja voll verführt!, haben seine Kumpels rumgealbert. Wirst du jetzt zum HausschuhMann?. Niko hat nur gelacht und gesagt: Seid still, meine Frau ist die perfekte, das werdet ihr noch sehen.

Und das war wirklich so. Heike ist eine super Hausfrau, schreit nie rum, ist nie launisch. Nebenbei arbeitet sie als Landschaftsarchitektin und verdient ordentlich. Niko meint, ihr einziger Makel ist, dass sie zu gutmütig ist. Aber das liegt nicht nur an ihm sie verteilt ihre Freundlichkeit an alle um sich herum!

Die alte Nachbarin Irma hat vergessen, wie man eine Krankenschwester ruft, weil Heike ihr immer die Spritzen gesetzt und die Medikamente gebracht hat. Jeder, der ein verirrtes Kätzchen oder einen Welpen im Viertel gefunden hat, hat sie zu Heike gebracht und sie hat sie alle vermittelt.

Bei der Arbeit hilft Heike immer den faulen Kollegen, und auf der Straße gibt sie den Bettlern Almosen. Heike, du kannst doch nicht so nett sein!, hat Niko manchmal genervt gesagt. Alle fahren doch nur auf dir rum!. Heike hat nur erwidert: Nicht jedem geht’s so gut wie uns, du musst helfen, wenn Hilfe nötig ist.

Im vierten Hochzeitsjahr nervt es Niko, dass Heike nicht so gern in Gesellschaften geht. Für sie bedeutet Entspannung ein Waldspaziergang, freiwillige Arbeit im Tierheim oder ein Theaterbesuch. Niko mag lieber laute Clubs oder ein Wochenende in einer Berghütte. Heike beschwert sich nicht, kommt aber selten mit.

An einem Abend streiten sie wieder darüber, und Heike fängt plötzlich an, über Kinder zu reden. Niko ist gar nicht bereit für Nachwuchs beide sind erst 30, warum das jetzt? Er sagt, der Geburtstag von Lukas, seinem besten Kumpel, darf nicht verpasst werden und dass er Heike im Club treffen will. Heike kommt nicht, schickt nur eine Nachricht: Sie schafft es nicht, erklärt später.

Was soll ich da noch erklären?, ist Niko richtig sauer. Schon wieder die Spielverderberin!. Lukas versucht, ihn zu beruhigen, aber Niko lässt sich nicht halten. Er schnappt sich Cocktails, flirtet im Club und fährt später mit einer neuen Bekanntschaft, die er Lena nennt, nach Hause.

Was danach passiert, erinnert er nur vage. Sie haben wohl ein bisschen Spaß gehabt, dann wacht er plötzlich in einem weißen Nebel auf, hört Schreie und riecht verbranntes. Da liegt nur Rauch, Lena ist nirgends. In der fremden Wohnung findet er kein Fenster zum Ausstieg, springt also aus dem dritten Stock, landet auf dem Rasen, verliert das Bewusstsein und wacht erst in einem Krankenhaus wieder auf.

Der Arzt sagt, er hat eine schwere SchädelHirnVerletzung, zwei Beinbrüche, drei gebrochene Rippen, Hämatome und Abschürfungen aber zum Glück ist er relativ glimpflich davongekommen. Niko nickt benommen, während sein Kopf noch wirr ist von den Medikamenten.

Der Arzt wiederholt noch einmal: Und Sie haben wirklich Glück mit Ihrer Frau. Die Krankenschwestern geben zu verstehen, dass Heike alles weiß. Auch der Kommissar Meyer, der Niko befragt hat, bestätigt das.

Du hast Glück, Kumpel!, sagt ein Polizist, während er den Kopf schüttelt. Eine andere Frau hätte dich weggeschickt, aber Heike sie lässt dich nicht im Stich. Der Kommissar erklärt, dass das Feuer von betrunkenen Nachbarn von Lena verursacht wurde. Lena war die Erste, die aufgewacht ist, und hat das Gebäude verlassen, ohne an den Typen zu denken, der noch drinnen war. Erst die Feuerwehr kam, und das war zu spät Niko war schon aus dem Fenster gesprungen.

Die hübschen Krankenschwestern, denen er sonst Komplimente macht, werfen ihm nur verächtliche Blicke zu. Er flucht, aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.

Kurz nach dem Aufwachen merkt er, dass Heike ihn nicht verlassen will. Sie redet ruhig mit ihm, macht ihm nie Vorwürfe wegen des Unfalls, kümmert sich echt um ihn das beruhigt ihn total. Und ja, Heike ist wirklich eine heilige, gutherzige und mitfühlende Frau!

Seine Freunde verschwinden fast wie vom Erdboden. Lukas schaut noch einzweimal vorbei, aber Niko mit seiner blassen, abgemagerte Erscheinung imponiert niemandem mehr. Seine Mutter ruft selten an. Ich glaube, du hast nichts Schlimmes zu befürchten, und jemand kümmert sich um dich, sagt sie halbherzig. Wir fahren mit Fedor in den Urlaub, das lässt sich nicht absagen. Sie schickt nur ein paar Nachrichten über sein Befinden und etwas Geld, aber das reicht nicht.

Das Geld ist Niko ein ständiges Problem. Die Sonderzimmer, Medikamente und extra Aufmerksamkeit kosten eine Menge. Er hat kaum Ersparnisse. Mach dir keine Sorgen, ich habe für das Kind gespart, aber das ist nicht wichtig, tröstet ihn Heike. Ich regel das später. Im Krankenhaus liegt er anderthalb Monate, überlebt zwei Operationen, und die Rehabilitation steht noch bevor, aber er fühlt sich schon einigermaßen okay.

Heike holt ihn ab, er ist ihr unendlich dankbar, plant ein romantisches Abendessen (Lieferdienst gibt’s ja noch), will sich noch einmal entschuldigen und sagen, dass er bereit ist, ein Kind zu bekommen. Er will alles für seine liebe Frau tun!

Als sie aus dem Krankenhaus fahren, weiß Niko nicht, wo sie hinwollen, und glaubt erst, er versteht nicht. Heike führt ihn in seine alte Einzimmerwohnung. Ich habe die Mitbewohner rausgeschickt, die Wohnung sauber gemacht, den Kühlschrank gefüllt, das Internet bezahlt, sagt sie nüchtern. Ich habe die Scheidung eingereicht. Ich hoffe, du stellst dich nicht dagegen. Niko ist fassungslos und wartet darauf, dass sie lacht und das nur einen Scherz meint. Stattdessen bleibt sie ernst.

Ich habe mich bereits entschuldigt, stammelt Niko. Ich werde es hundertmal tun! Ich knie mich nieder, sobald ich kann! Bitte geh nicht!. Heike blickt ihn mit Bedauern an: Es tut mir leid, aber ich kann und will nicht mehr mit dir zusammenleben. Ich liebe dich nicht mehr. Niko explodiert: Warum hast du dich dann überhaupt mit mir abgelenkt? Hast du wieder nur die nette Heile-Welt gespielt?

Heike antwortet ruhig: Meine Großmutter hat mir beigebracht, in Not niemanden im Stich zu lassen auch nicht die, die dich betrogen haben. Sie schaut ernst. Jetzt brauchst du meine Hilfe nicht mehr. Du schaffst das allein. Sie dreht sich um, geht schweigend zur Tür und schließt sie hinter sich.

Du schaffst das allein, hallt in Nikos Kopf nach. Er hatte das schon einmal gehört, aber jetzt fühlt es sich ganz anders an. Er schwört sich, die Frau zurückzugewinnen, auf die Beine zu kommen, einen Job zu finden und irgendwas zu planen.

Ein Monat später findet er heraus, dass Heike die Wohnung verkauft hat und in eine andere Stadt gezogen ist wohl am liebsten weit weg von ihm. Und das war’s dann, mein Freund. Was für ein Drama, oder? Ich muss jetzt los, aber ich wollte das einfach mit dir teilen. Bis bald!

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