Du wirst verschwinden – und er wird sofort an mich denken

Verschwindest du er wird sofort an mich denken.
Ach, wer weiß, wer was sagt. Du verschwindest, und er wird sofort an mich denken. Also bitte, mach es wenigstens freundlich, sonst
Was pikst du mir ins Gesicht?

Was erwartet eigentlich jedes Mädchen, wenn sie mit ihrem Freund ins Kino geht?

Das hängt vor allem davon ab, wie weit das persönliche Erlaubte für die Dame selbst definiert ist.

Manche Frauen würden den Kerl nach dem Film nicht nur nach Hause einladen, sondern gleich im hinteren Reihen ein bisschen ähm ungezügelte Zärtlichkeit zelebrieren. Andere sind zurückhaltender, wollen den Film genießen, Händchen halten und das Date erst vor der Wohnungstür beenden.

Jedenfalls sagt das bloße Ich komme mit dir ins Kino schon ziemlich eindeutig, dass du jetzt quasi seine Freundin bist und dass die Position vorher noch leer war. Das bedeutet, du solltest nicht in die Situation vonLena geraten, bei der im Kinosaal plötzlich eine andere Frau neben dem Freund auftaucht und mit vorwurfsvoller Stimme fragt:

Markus, wer ist das denn? Und warum hältst du sie an der Hand? Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil ich dachte, du wärst verschwunden!

Jede vernünftige Frau würde in so einem Moment rot werden und sich schnell entfernen. Im Idealfall würde sie sogar laut rufen: Ach du meine Güte, du bist ja mit beiden gleichzeitig! und den Kerl mit den frisch erhaltenen Blumen zurücklassen, während sie in High Heels klackend davonläuft.

Lena war eher vom Typ, der sofort in Aktion treten würde doch ihr Freund Markus fuhr sie fast sofort an:

Ich habe dir doch gesagt, hau ab. Du hast ja schon beschlossen, dass zwischen uns nichts mehr ist, also brauchst du mich nicht mehr zu jagen. Lena, komm.

Wer läuft denn hier hinter dir her? schimpfte Lena, doch bevor sie die letzten Beleidigungen aussprechen konnte, packte Markus sie am Arm und zog sie mit schnellen Schritten in den gewünschten Saal.

Für Lena schien die Sache damit erledigt: Alles klar, Markus hat die andere Frau nicht mehr, sie hat ihn also abgelegt zumindest laut Markus. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?

Lena beschloss, das Thema bis nach dem Film aufzusparen. Denn wer will schon inmitten von Popcorn und 3DBrillen die ganze Beziehungsgeschichte ausdiskutieren? Und klar, Markus hatte die Eintrittskarten bezahlt, also musste man das Kino tatsächlich nutzen, statt ständig nach der mysteriösen Begleiterin zu fragen.

Nach dem Film verließen sie das Gebäude, schlenderten die beleuchtete Wilhelmstraße hinunter zum Volkspark Friedrichshain, wo Lenas AltbauWohnturm stand. Und dann kam das Gespräch über die andere Dame ins Rollen.

Ich hoffe, du hast nichts Falsches gedacht, begann Markus entschuldigend. Ich sammle ja keine verrückten Frauen, mein Freund und Familienkreis ist völlig normal, nur diese eine ist irgendwie na ja, ein Ausreißer.

Für Lena war das Thema unnormale Umgebung ein alter Zankapfel ihr letzter Freund hatte die Beziehung beendet, weil seine Mutter und seine Schwester sie nicht akzeptierten. Deshalb wollte Markus jedes mögliche Missverständnis aus dem Weg räumen.

Wie kam es überhaupt dazu?, fragte Lena neugierig.

Wir dachten, wir wären ein Paar, gab Markus zu, und dann was nennt man das eigentlich, wenn wir zusammen spazieren, Händchen halten, uns küssen und sie dann in der Kneipe auf meinem Schoß sitzt und mich süß Kätzchen nennt?

Logisch, nickte Lena.

Und weißt du, was noch logischer wäre?, fuhr er fort, wenn mich die Frau zum Reparieren ihres PCs einlädt, aber der Bruder den PC gestern ins Dorf geschleppt hat und sie dann vorschlägt, zusammen einen DVDFilm zu schauen.

Jemand benutzt noch DVDs?, staunte Lena. Aber sie erkannte sofort das eigentliche Anliegen.

Also, kurz gesagt: du wirst mit dem Vorwand einer ‘ComputerReparatur’ zu ihr nach Hause gebeten, sie hat aber niemanden da, also bietet sie dir Kuchen und einen Film an.

Stell dir vor, dazu kommt ein durchsichtiger Negligé, Netzstrumpfhosen, HerzKerzen (so um die zehn Stück), eine Flasche Wein, ein paar Snacks und natürlich ein richtig schräger ‘ab 18+’Film.

Klingt nach einem typischen KaffeeklatschMärchen, ergänzte Markus lachend.

Genau, dann kann man sofort in die Apotheke rennen, Gummibänder holen und loslegen, dachte Lena, während ihr die Idee schon fast entgegenwehte.

Ich habe es genauso gesehen, fuhr Markus fort. Ich setze mich aufs Sofa, schaue den Film, die Stimmung ist passend, sie setzt sich neben mich, ich drücke sie an, wir fangen an zu küssen.

Plötzlich zieht sie ihr Negligé hoch, und ihm fliegt ein Schlag ins Gesicht ein lauter Schrei hallt durch die Wohnung: Was soll das? Ich bin nicht so! Warum glaubst du, du hättest Anspruch darauf?

Ich würde dann einfach abhauen, murmelte Lena.

Genau das habe ich getan, sagte Markus, hab meine Schuhe angezogen, ihr noch gesagt, dass zwischen uns nichts mehr ist, und bin abgehauen.

Am nächsten Tag schrieb sie ihm. Und er antwortete locker: Gestern hat sie mich angerufen, als wäre nichts passiert, und meinte, ich hätte dich vergessen. Alles gut, wir haben noch geschrieben.

Und du?, fragte Lena.

Ich ignoriere sie. Warum sollte ich mich mit Verrückten abgeben? Und mit dir lief es ja auch nie wirklich kein Grund, an der Stelle zu hängen.

Ja, und jetzt verfolgt sie dich in der Hoffnung auf was?

Sie dachte wohl, ich würde ihr nachlaufen, ihr Geschenke bringen und darauf warten, dass sie mich ‘auszählt’. Aber ich bin kein Ritter, der um jede Tante Emma kämpft.

Heute ist das ja total unmodern, meinte Lena. Gesetze verbieten heutzutage praktisch jede Form von ‘Nachstellung’ da bleibt nur noch das gute alte Ja und Nein ohne Hintergedanken.

Lena und Markus einigten sich darauf, keine unartigen Machenschaften zu starten. Wenn Ja heißt Ja, dann bedeutet Nein ein klares Nein ohne Ausflüchte.

Markus’ ExFreundin wurde von ihm einfach als leicht verrückt abgestempelt und in den Hintergrund geschoben, als wäre es ein böser Traum.

Plötzlich sah Lena, wie eine Bekannte aus der Uni, Alina, sie ansprach, gerade als sie das Wohnheim verlassen wollte.

Hey, bist du nicht Lena?, rief Alina.

Ja, das bin ich, antwortete sie.

Du hast doch Markus genommen, obwohl er vergeben war, fuhr Alina weiter.

Er hat gesagt, er ist frei, Alina. Und ich habe ihm schon oft gesagt, er soll den Wald suchen, wenn er mich nicht mag.

Ach, wer hat dir das gesagt?, scherzte Alina.

Tja, das war ich. Mein Vater ist Polizist, Hauptkommissar, und das ist die schnellste Art, eine nervige Verfolgerin loszuwerden.

Natürlich hätte man lange beweisen können, dass Markus nicht mehr an Lena interessiert war und das nichts mit Alinas Beziehung zu ihm zu tun hatte. Man hätte sogar einen Kampf auslösen können, doch das hätte nur noch mehr Ärger für Lena bedeutet und keinen Trainer, der das gutheißen würde.

Alinas kleiner Trick war dagegen exakt das Richtige: Lena spricht ihren Vater, den Kapitän der Hohen Polizeigewalt, nur einmal im Jahr zum Geburtstag an, und er lebt in einer anderen Stadt. Dennoch ist er die letzte Anlaufstelle, wenn Lena ein Problem hat.

Als Alina das Foto von Markus sah, erstarrte sie, fluchte leise über die Banden und verschwand. Selbst Markus hörte nicht mehr von ihr, und das teilte er Lena eine Woche später mit.

Sie erzählte ihm von ihrem kleinen Ausrutscher, nur damit er Bescheid weiß, aber bekam keinen Vorwurf dafür.

Solche Typen versteht man nur schlecht, meinte Mark

us. Wäre besser, ich hätte sie erst gar nicht gekannt.

Lena stimmte zu Alina wirkte zunächst ganz normal, bis sie loslegte.

Obwohl Alina nicht alle Register gezogen hatte, war es egal. Wichtig war, dass sie aus Len

as und Markus Leben endgültig verschwand. Jetzt hofften beide, dass das wirklich für immer bleibt.

Vielleicht findet Lena jetzt doch einen neuen Erfolg, einen echten Traummann vielleicht einen Narzissten mit KüchenschlachtenAmbitionen.

Denn jeder Chaot braucht schließlich einen Partner, damit die normalen Leute in Ruhe ihr Leben führen können.

Eine ziemlich schöne Idee, nicht wahr?

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Go Away, I’m Tired of Being Your Backup Plan,” I Said as I Turned Off the Hall Light