Eine Überraschung für die Mama

10.November2025 Tagebuch

Heute stand ich auf dem Balkon und sah bedrückt die alte Schwiegermutter, Frau Maria Matthäus, wie sie im dunklen Treppenhof auf einer Bank saß. Soll ich sie rufen oder lieber nicht? Würde ich rufen, würde sie nur den Kopf heben und mit einem müden Kopfschütteln verneinen Noch ein wenig sitzen, das tut gut. Sie geht nur hinaus, wenn die Bank frei ist; die Gespräche der Nachbarsinnen über Müllabfuhr, steigende Energiepreise und die teuren Lebensmittel verstehen ihr nicht. Sie hat ihr ganzes Leben im ländlichen Brandenburg verbracht und lebt seit zwei Jahren bei uns, bei meinem Mann Johann und mir.

Sie ist völlig überfordert, seufzte ich, während ich zu meinem Mann sprach. Wir sollten ihr jetzt endlich ihren Wunsch erfüllen.
Noch ein bisschen Geduld, erwiderte Johann. Wir sind noch nicht fertig, um sie umziehen zu lassen.

Vor zwei Jahren brannte das Haus von Maria Matthäus fast vollständig nieder. Nur das Fundament blieb erhalten. Neben dem Haus verbrannten auch der Hühnerscheune, das kleine Gewächshaus und ein Lager. Sie war gerade auf dem Wochenmarkt in Neukölln, verkaufte Gurken und Tomaten aus ihrem Garten, als ein Kurzschluss vermutlich ein vergessenes Stromgerät das Feuer entzündete. Der starke Wind ließ die Flammen rasch aufgreifen, und sie stand bald vor den Ruinen. Noch lange erinnerte man sich daran, wie sie durch den schwarzen Hof lief, vom Ruß bedeckt und vor Schmerz schrie. Sie war allein, die Hühner überlebten, doch das Haus war ihr Vermögen.

Nachdem Maria einen Schlaganfall erlitten hatte, holten Johann und ich sie zu uns nach Hause. Längere Zeit lag sie halb gelähmt im Bett, doch allmählich begann sie wieder zu gehen.
Mutter, ruhen Sie noch ein wenig, zu viel Gehen ist nicht gut für Sie, bat ich sie.
Nein, ich will wieder auf die Beine und dann zurück in mein Dorf, erwiderte sie trotzig.

Wir glaubten alle, sie sei verwirrt. Vielleicht erinnerte sie sich nicht mehr an das Geschehene? Wir begannen vorsichtig, sie zu befragen.
Glauben Sie, ich sei verrückt? fragte sie mit einem spöttischen Lächeln. Natürlich nicht! Ich weiß, das Haus brannte, ich lag im Krankenhaus. Ich will zu meiner Nachbarin Edeltraud ziehen, ihr im Haushalt helfen, meine Rente sparen und langsam ein neues Heim bauen. Ich weiß, ihr habt nicht viel, und mein Enkelkind wächst, ich belege sein Zimmer. Ich bin überflüssig hier.

Keiner wollte sagen, dass Edeltraud erst kürzlich verstorben war, ihr Haus nun von der ganzen Familie geteilt wird und droht, vor Gericht zu landen. Alle fürchteten einen zweiten Schlaganfall. Edeltraud war ihr engster Vertrauter, nicht nur seelisch, sondern weil sie am nächsten wohnte. Ihre jüngere Schwester Anke lebte weit nördlich, wo das Klima rauer ist. Unsere beiden Söhne, Dirk und Matthias, sind zur See gegangen; Matthias ist Seemann und Motorist, ständig auf Fahrt.

Am meisten belastete Maria, in dem Zimmer ihrer Enkelin Lena zu wohnen, die kaum Besuch von Freundinnen bekommt. Oma, das war früher, jetzt reden wir alle über das Internet!, erklärte Lena.
Wie heißt das denn, reden ohne Tee? wunderte sich die alte Frau.

Maria wollte nicht zur Last fallen. Sie sah, wie wenig Johann und ich besitzen, und half beim Saubermachen und Kochen, doch es ging ihr schwer ihre linke Hand gehorchte kaum. Als sie von Edeltrauds Schicksal erfuhr, weinte sie lange und erklärte schließlich:
Kinder, bitte seid nicht böse, aber ich habe beschlossen: Meldet mich in ein Pflegeheim. Johann, du hast die Vollmacht, ich habe sie noch im Krankenhaus unterschrieben. Ich will dort zumindest Gesellschaft haben. Wenn das Geld nicht reicht, verkauft mein Stück Land es ist billig, aber wenigstens etwas!

Unser Ärger kannte keine Grenzen, doch nach und nach brachte Maria uns dazu, über den Plan nachzudenken. Johann kümmerte sich um die Unterlagen, verkaufte das Grundstück, doch das Bauamt und die Bürokratie waren ein Labyrinth. Er zahlte dem Direktor ein paar Euro, doch der wartete noch, bis die Warteliste an der Reihe war. Der Herbst kam, der Wunsch, umzuziehen, wuchs.

Als Maria nach ihrem abendlichen Spaziergang nach Hause kam, sagte sie unverblümt:
Johann, wenn du mich am Montag nicht ins Pflegeheim bringst, fahre ich selbst dorthin. Ich gehe zum Direktor und sage: Gebt mir ein Bett, das Geld habt ihr schon erhalten, der Staat muss mich versorgen!

Das ganze Wochenende war Johann spurlos. Am Sonntagabend kam er heim, flüsterte nervös mit mir und sagte, er habe alles mit dem Heimdirektor geklärt morgen gibt es ein Bett, sogar ein eigenes Zimmer.

Am nächsten Morgen stiegen wir in Johanns alte Opel und fuhren los. Maria verstand nicht, warum wir auf dem Weg zu ihrem Dorf in die entgegengesetzte Richtung fuhren.
Mama, die Straße wurde umgebaut, wir müssen jetzt einen Umweg fahren, erklärte Johann.

Wir fuhren an bekannten Dörfern vorbei, bis wir schließlich das alte Grundstück erreichten, das vor zwei Jahren noch Asche war. Maria schloss die Augen, wollte die vertrauten Gassen nicht sehen. Das Fahrzeug hielt, und ein rotes Backsteinhaus tauchte vor ihr auf; am Tor stand und lächelte ihre Schwester Anke. Der Schreck ließ ihr Herz kurz aussetzen, alles verschwamm.

Als sie wieder zu sich kam, umfingen uns alle Schwester, Sohn, Schwiegertochter und Enkelin und sie musste alles hören, sogar den fast gescheiterten Überraschungsplan.
Mutter, wir wollten das Land nicht verkaufen, sondern sofort ein neues Haus bauen, erklärte Johann. Wir haben einen Kredit aufgenommen, unser Bruder Matthias hat Geld geschickt, das Grundstück wurde modernisiert, ein neuer Kamin, ein Doppelboiler, Dusche, WC. Du hast jetzt drei Zimmer, eine große Küche mit Terrasse. Und deine Schwester Anke ist seit einem halben Jahr hier, hat das Innere renoviert, wartete auf das Wiedersehen.

Maria weinte, lachte, umarmte jeden von uns, wusste nicht, wie sie danken sollte. Wer hätte gedacht, dass ein solcher Überraschungsplan entsteht? Fast hätte sie einen zweiten Schlaganfall bekommen vor lauter Glück! Wie schön ist es, wenn die Familie so füreinander da ist.

**Persönliche Erkenntnis:**
Man kann weder das Schicksal noch das Alter stoppen, aber man kann mit Liebe und Mut dafür sorgen, dass das Herz im hohen Alter noch warm schlägt. Das Leben lehrt: Wer den anderen nicht zur Last fallen lässt, erhält im Gegenzug unermessliche Freude.

Rate article
Eine Überraschung für die Mama
When Helping Does More Harm Than Good