Pavel hob den Hörer sofort ab, als ob er auf ihren Anruf gewartet hätte.

Paul hob das Telefon sofort auf, als wäre er die ganze Zeit auf ihren Anruf gewartet.

Liselotte? Wärme und Zuversicht klangen in seiner Stimme. Hast du nachgedacht?

Ja, Paul hauchte sie. Ich bin einverstanden.

Die Stille, die danach folgte, war wie ein tiefer Atemzug nach langem Anhalten.

Ausgezeichnet! sagte er, ein Lächeln hörbar in seiner Stimme. Ich schicke dir den Vertrag, das Ticket und die Unterkunft. Keine Sorge, ich regel alles.

Liselotte ließ das Telefon auf den Tisch fallen. Ihr Blick glitt durch die vertraute Küche das abgenutzte Tischtuch, die rissigen Fliesen, der summende Herd. Und plötzlich dachte sie: Das hier könnte das Ende des Lebens sein, das längst nicht mehr ihr eigen war.

Am Abend setzten sie sich zum Essen.

Ich werde nach Berlin ziehen, sagte sie ruhig.

Stille folgte.

Was?, stieß Georg. Bist du verrückt? Wer soll dich dort einstellen?

Paul. Alles ist offiziell, mit Vertrag.

Paul der vom Treffen? Hast du dich verlesen? Der füllt dir nur den Kopf mit Unsinn. Er wird dich ausnutzen und dann fallen lassen. Wie alt bist du? Fast fünfzig?

Martin mischte sich ein:

Mama, bitte denk nicht so. Du hast eine Familie.

Ich habe auch mich selbst, antwortete sie leise. Zählt das noch?

Die Schwiegermutter verzog die Lippen:

Wenn du dich ausstellst, dein Wille. Aber erwarte nicht, dass jemand auf dich wartet.

In dieser Nacht schlief Liselotte nicht. Sie packte den kleinen Koffer, füllte ihn nicht nur mit Kleidung, sondern mit Erinnerungen Fotos, ein vergilbtes Notizbuch mit Rezepten, einen alten hölzernen Löffel. Als sie einschlief, war der Koffer fest verschlossen.

Georg tauchte nicht mehr auf. Ihre Söhne spielten schlafend. Nur die Nachbarin, Oma Marta, rief ihr von über dem Gartenzaun zu:

Liselotte, geh. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Leben zu führen, das nicht deins ist.

Berlin begrüßte sie mit Morgenlicht und Kaffeeduft. Paul stand am Flughafen, lächelnd, gelassen, als hätte er immer gewusst, dass sie kommen würde.

Willkommen in deinem neuen Leben, Liselotte, sagte er.

Er führte sie zu einem kleinen Lokal im Stadtzentrum. Auf dem Schild stand:

Haus der Elbe deutsche Seele, mediterranes Herz.

Hier fangen wir an, sagte er. Klein, aber gemütlich. Wir kochen nicht nur Essen, wir kochen Erinnerungen.

In der Küche roch es nach frisch gebackenem Brot. Liselotte strich mit den Fingern über die Arbeitsplatte. Das ist mein Platz, dachte sie.

Als sie den Herd anzündete und die erste Testsoße köchelte, zitterten ihre Hände. Als Paul sie probierte, funkelte ein Hauch von Begeisterung in seinen Augen.

Das ist Kunst. Unglaublich! rief er.

Nur einen Monat später war das Restaurant überfüllt. Berliner Familien, Botschafter, Touristen alle wollten die Küche der Deutschen kosten.

Liselotte arbeitete vierzehn Stunden am Tag, doch wenn abends das Licht erlosch, fühlte sie ein Glück, das sie seit Jahren nicht gekannt hatte.

Nach drei Monaten leitete sie die Küche. Sie bildete das Personal aus, stellte Menüs zusammen, erfand neue Rezepte. Paul blieb oft bis spät bei ihr.

Seit du hier bist, hat dieser Ort Seele, sagte er eines Abends.

Ich koche nur, lächelte sie.

Nein, Liselotte. Du lässt die Menschen fühlen. Das ist ein seltener Gaben.

Dann begriff sie: Sie war nie nur Köchin.

An einem Frühlingsabend kam Paul mit einem Lavendelstrauß und einem Umschlag.

Das ist für dich, sagte er.

Drinnen lag ein Flugticket.

Paris. Gastronomisches Forum. Ich möchte, dass du unser Restaurant präsentierst.

Ich? staunte sie.

Natürlich. Du bist das Gesicht des Haus der Elbe. Ohne dich gäbe es es nicht.

Sie ging. Auf dem Forum gewann ihr Restaurant die Auszeichnung Bestes traditionelle Essen Osteuropas. Als Liselotte die Trophäe entgegen nahm, füllten Tränen ihre Augen. Wie leicht hätte sie in der alten Küche bleiben können, mit Löffel und Beschimpfungen, ohne zu begreifen, was es heißt, wirklich zu leben.

Monate vergingen. Das Telefon klingelte.

Liselotte, hallo, war Georg. Daniel will an die Uni. Wir brauchen Geld, kannst du helfen?

Sie lächelte ruhig.

Georg, ich bin nicht mehr jemandes kostenlose Dienerin.

Du hast dich sehr verändert, sagte er leise.

Nein, Georg. Ich bin einfach ich selbst geworden.

Eine Woche später kam eine Nachricht von Martin:

Mama, verzeih uns. Ich habe das Interview über dein Restaurant gesehen. Ich bin stolz auf dich.

Liselotte starrte lange auf das Telefon, dann schrieb sie:

Danke, mein Sohn.

Ein Jahr verging.

Das Restaurant zog in ein größeres Gebäude. Über dem Eingang prangte ein neues Schild:

Haus von Liselotte Georgi der Geschmack der Seele.

Paul stand neben ihr, als das rote Band durchgeschnitten wurde.

Chefköchin, lachte er, jetzt bist du offiziell Eigentümerin.

Eigentümerin wiederholte sie, als würde sie das Wort fühlen. Klingt schön.

Das ist nicht das Ende, Liselotte. Es ist erst der Anfang.

Spät in der Nacht, nach dem Löschen der Lichter, trat Liselotte auf die Straße. Berlin lag still, die Sterne spiegelten sich im Spree. Sie atmete tief ein.

Früher war ich nur ein Schatten in meinem eigenen Haus, dachte sie. Jetzt habe ich ein Zuhause, in dem ich leuchte.

Sie zog das Handy heraus. Auf dem Bildschirm eine alte Fotografie: sie in der Küche, mit Schürze, erschöpft, aber lächelnd.

Sie streichelte das Bild und flüsterte:

Danke, dass du nicht aufgegeben hast.

Und sie lächelte echt, zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren.

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Pavel hob den Hörer sofort ab, als ob er auf ihren Anruf gewartet hätte.
Surprise! I’m Moving In With You – Announced the Mother-in-Law, Rolling In Her Suitcase