„– Wie unpassend dieser Jubiläum für sie ist, – sagte sie. – Sie fanden Zeit zum Feiern und noch dazu im Dorf!“

13.November2025

Wie unpassend dieses Jubiläum von ihnen, dachte ich, als ich den Anruf von meinem Cousin aus dem kleinen Dorf hörte. Er wollte uns zur silbernen Hochzeit seines Bruders einladen. Meine Frau Liesl seufzte sofort: Ein Fest im Dorf, gerade wenn wir uns doch trennen wollen?

Hey, Friedrich, wie gehts?, meldete sich die Stimme aus dem Lautsprecher. Alles gut hier, und bei euch? Und am Samstag?

Ja, wir geben Bescheid, Liesl. Ich nickte ihr zu, doch die Worte meines Bruders ließen mich erschaudern. Er hatte uns zu der 25jährigen Ehe seiner Schwester Theresa eingeladen ein silbernes Hochzeitsjubiläum, wie man in Deutschland sagt.

In den letzten Monaten hatten Liesl und ich immer mehr Distanz gespürt. Wir stritten oft, fühlten uns voneinander entfernt und beschlossen erst vor zwei Tagen, die Scheidung einzureichen. Liesl wollte das Fest nicht besuchen, ihr Herz war nicht dabei.

Vielleicht fährst du, Friedrich, du bist ja ihr Bruder, schlug sie vor, ich würde gern Theresa treffen. Ich dachte an das alte Bauernhaus, das seit drei Monaten verrostet in der Garage stand. Unser Wagen war kaputt, und ein Fernbus von München ins Dorf brauchte vier Stunden. Wir wussten nicht, ob wir das Geld für eine neue Karre ausgeben oder die alte reparieren sollten. Die bevorstehende Trennung hatte alle Pläne durcheinandergewirbelt.

Ich überlegte laut: Liesl wird wohl nicht mitkommen, sie wird ablehnen. Wenn ich allein gehe, muss ich Hans und Theresa sagen, dass wir uns trennen. Das wäre ein böses Stück, gerade an ihrem Fest.

Liesl nickte. Dann fahren wir, wenn das die einzige Möglichkeit ist. Der Bus hielt plötzlich. Der Fahrer rief: Wir müssen hier aussteigen, die Straße ist zu matschig.

Wie bitte?, protestierte ich. Noch fünf Kilometer bis zum Dorf! Der Fahrer erklärte, dass nach dem Regen die Pisten unpassierbar seien und er keinen Platz mehr für ein weiteres Fahrzeug habe. Wir standen mit einem schweren Rucksack und einem Koffer in der Kälte.

Warten wir auf ein Mitfahrgelegenheit oder gehen wir zu Fuß?, fragte ich meine Frau.

Wir können bis zum Morgengrauen warten, aber wir werden zu Fuß gehen müssen, antwortete Liesl entschlossen.

Auf dem schlammigen Feld, das von tiefen Pfützen durchzogen war, ging ich vorne, Liesl hinter mir am Straßenrand. Die Stille drückte auf mich. Ich dachte: Vielleicht wird sie irgendwann ausbrechen und mir alles sagen. Doch sie blieb still, ihr Blick starrte auf den nassen Boden.

Nach einer halben Stunde erreichten wir einen kleinen Eichenhain, der das Dorf beinahe umrahmte. Ich erwartete ein Wort, ein Aufschrei, doch Liesl folgte nur leise meinem Schritt.

Wir setzten uns kurz auf einen umgestürzten Baumstamm. Müde?, fragte ich, ein wenig schuldbewusst, weil ich die Reise initiiert hatte.

Ein wenig, sagte sie und deutete auf einen umgestürzten Holzstamm. Wir ruhten uns aus, hörten das Zwitschern der Vögel, das Summen der Bienen und das Rascheln der Blätter. Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, doch der Abend war noch jung.

Liesl erinnerte sich, wie wir vor zwanzig Jahren mit einem alten Ford nach meinem Bruder Hans Dorf gefahren waren. Wie sich der Wald verändert hat, die Eichen sind riesig geworden, flüsterte sie. Ich ergänzte: Die Zeit fliegt, und das erinnert mich an das Mal, als das Rad unseres Wagens fast abfiel. Du im Brautkleid, ich im Anzug, wir liefen am Wegesrand, während Hans das Rad wechselte.

Liesl lachte. Ja, und Hans reparierte das Auto blitzschnell. Heute hätten wir gewartet.

Nach einer kurzen Pause setzten wir den Fußweg fort. Liesl dachte an unseren Sohn, der im Ausland dient, und an die Entscheidung, die wir beide getroffen hatten. Wenn er zurückkommt, wird er nicht glücklich sein, aber was können wir tun?, murmelte sie.

Endlich sahen wir die Häuser des Dorfes, die im Sommer in leuchtenden Farben strahlten. Ein wunderschöner Anblick, sagte ich. Hier wird es immer schön sein, egal zu welcher Jahreszeit.

Wir klopften an die Tür des Festzeltes, wo Hans bereits die Tische aufbaute. Er sprang auf, umarmte uns und rief: Ihr seid zu Fuß gekommen? Wo bleibt das Auto? Er lachte, und wir erzählten ihm von dem Bus, der liegen blieb.

Theresa, die Braut des Tages, begrüßte uns herzlich: Liesl, wie schön, dass ihr da seid! Morgen feiern wir die silberne Hochzeit. Wir setzten uns, aßen und lauschten den Geschichten der Dorfbewohner. Die neue Couch im Saal glänzte im Kerzenlicht, und ich bemerkte, wie Liesl sich an die Wand kuschelte, während ich den Platz neben ihr einnahm.

Später, als wir im Bett lagen, zog ich die Decke von ihren Füßen und massierte ihre müden Zehen. Das wird schon wieder, Liesl, sagte ich, während sie leise stöhnte.

Am nächsten Morgen halfen wir beim Aufbauen der Tische, das Gespräch wurde lauter, die Musik begann, und das Dorf feierte ausgelassen. Hans rief uns zu: Fünfzig Jahre Ehe, das ist ein Grund zu feiern! Und meine Theresa bleibt meine einzige Liebe!

Ich sah Liesl an und dachte: Vielleicht ist das Glück nicht das, was wir verlieren, sondern das, was wir im Hier und Jetzt entdecken.

**Persönliche Erkenntnis:** Auch wenn ein Abschied bevorsteht, kann ein gemeinsames Fest die Erinnerung daran wecken, was wirklich zählt Respekt, Geduld und die Fähigkeit, das Gute im Leben zu sehen, bevor man es aufgibt.

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The Boy from Beyond Saved His Mum